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Roboter : Wir laufen auf Autopilot

  • -Aktualisiert am

Arbeitswelt von morgen : Roboter als Ärzte und Sprachlehrer

Der User als Laufbursche

Der Nutzer der App verkommt zum Laufburschen einer datenhungrigen Industrie, die nichts anderes im Sinn hat, als detaillierte Nutzerprofile zu erstellen und Daten kommerziell auszuschlachten. Das Individuum wird auf seine bloße „Laufleistung“ reduziert.

Als Laufleistung wird gemeinhin die Betriebsdauer technischer Geräte bezeichnet. Ein GPS-Wegmesser ist nichts anderes als ein Kilometerzähler für das Smartphone. Im Weltbild der Entwickler ist der Mensch eine Maschine, die „laufen“ muss.

Der Versandriese Amazon überwacht seine Angestellten mit GPS, um jeden Schritt zu kontrollieren. Wie der Undercover-Journalist Adam Littler in einer Investigativ-Reportage berichtete, mussten die Amazon-Mitarbeiter im Fulfilment Center von Swansea in der Stunde mindestens 110 Produkte verpacken. Es ist Taylorismus in Reinkultur. Zwischen den orangefarbenen Robotern und den menschlichen Pickern besteht funktional kein Unterschied mehr.

Die Amazon-Mitarbeiter werden denn auch „Amabots“ genannt (angelehnt an bot für Roboter). Nun kann man einwenden, dass der Mensch auch schon in der Frühphase der Industrialisierung im Akkord und wie eine Maschine arbeitete. Doch im Zeitalter der Digitalisierung, wo mit „soziometrischen Badges“ jede Eigenschaft bis hin zur Stimmung quantifiziert werden kann und anhand von Graphen in Echtzeit darstellbar ist, wird erstmals die Mechanik des Menschen sichtbar – eine „Software“, die man optimieren kann.

Frischmann zeigt einen Punkt auf, an dem sich der maschinenähnliche Mensch und die menschenähnliche Maschine treffen (wenn man das als lineare Kreuzentwicklung modellierte, wäre das gewissermaßen die Vorstufe der technologischen Singularität, jenem Punkt der Entwicklung, an dem nach Ray Kurzweil die künstliche Intelligenz über den Menschen siegt).

Die Charakteristika, die genuinen Fähigkeiten, die den Menschen von der Maschine unterscheiden, sind seine Empathiefähigkeit und sein Urteilvermögen – wobei die künstliche Intelligenz auch in diesen Feldern massiv aufholt. Doch darum geht es gar nicht. Frischmann stellt in seinen Ausführungen die recht ketzerische Frage, ob Menschen nicht- denken können; ob sie in der Lage sind, ihre genuine Fähigkeit zu entäußern.

Wie viel Maschine ist im Menschen?

Frischmann führte einen (imaginären) Turing-Test unter anderen Vorzeichen durch: Nicht der Computer sollte unter Beweis stellen, dass er wie ein Mensch zu denken vermag, sondern der Mensch sollte zeigen, dass er wie eine Maschine operieren kann. Bei der Lösung computerisierter mathematischer Gleichungen und Generierung zufälliger Zahlen würde der Mensch regelmäßig scheitern.

Er würde irgendwann Ziffern häufen, sodass die Anordnung nicht mehr dem Faktor Zufall gehorcht. Anders sähe es jedoch bei dem Prüfkriterium „Common Sense“ aus, das im Deutschen „gesunder Menschenverstand“ meint. Frischmann stellt ein interessantes Gedankenexperiment an: Angenommen, eine Frau steigt in einer fremden Stadt in ein Taxi, nennt dem Fahrer die Adresse und schläft dann auf der Rückbank ein. Dreißig Minuten später weckt der Taxifahrer die Frau, nimmt das Geld und fährt davon.

Nachdem die Frau wieder richtig zu sich gekommen ist, stellt sie fest, dass der Taxifahrer sie in die komplett falsche Richtung gefahren hat. Sie ist „lost“, wie man auf Neudeutsch sagt. Wie reagiert der gesunde Menschenverstand darauf? Die Frau könnte einen Stadtplan zu Rate ziehen, Verkehrszeichen studieren und Passanten nach dem Weg fragen. Sie könnte aber auch einfach ihr Smartphone herausholen, Googlemaps öffnen, GPS aktivieren und ein Uber-Taxi ordern.

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