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Andrea Diener, Redakteurin im Feuilleton

Ortsnamen : Des Teufels

  • -Aktualisiert am

Nein, dieses Tal hat nichts damit zu tun, dass gleichgeschlechtlich liebende Frauen des Teufels sind: ein sonniger Abend im Devil’s Dyke. Bild: Picture-Alliance

In England gibt es alte, sprachlich recht ausdrucksstarke Ortsnamen. Einige von ihnen haben immer wieder das Pech, in Facebooks Algorithmen für „Hate Speech“ hängenzubleiben.

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          Einer Sage zufolge war der Teufel über die Bekehrung der Bevölkerung des Königreichs Sussex derart erbost, dass er beschloss, einen Wassergraben zum Meer zu bauen, um die braven Christen in den Fluten zu ertränken. Ein frommer Einsiedler kam ihm auf die Schliche und schlug einen Handel vor: Schaffe es der Teufel, den unseligen Graben in einer Nacht zu buddeln, so möge er seine Seele bekommen. Der Teufel schichtete also fleißig Erde um und schuf als landschaftlichen Kollateralschaden die Hügel der South Downs sowie die Isle of Wight. Kurz nach Mitternacht jedoch stellte der Einsiedler eine Kerze ins Fenster und ein zeitlich etwas orientierungsloser Hahn begann zu krähen, was wiederum den auch etwas orientierungslosen Teufel davon überzeugte, der Morgen breche an. Er floh und hinterließ ein schartenförmiges Tal, das „Devil’s Dyke“ genannt wird, also des Teufels Deich oder Damm, und das im neunzehnten Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel war.

          All das scheint nicht sonderlich kontrovers, allerdings bezeichnet der Begriff „Dyke“ auch abfällig eine gleichgeschlechtlich liebende, androgyn erscheinende Frau. Das wiederum rief den in sexuellen Dingen stets ordnungsliebenden Schimpfwort-Algorithmus von Facebook auf den Plan, der Nutzer, die in einer lokalen Gruppe allzu oft von ihrem geliebten Trockental sprachen, wegen unflätigen Ausdrucks sperrte. Ein ähnliches Schicksal traf auch Bewohner der Stadt Plymouth, denn ein beliebter Treffpunkt ist die altehrwürdige Uferpromenade „Plymouth Hoe“, die vor allem dadurch bekanntwurde, dass Sir Francis Drake dort Boule spielte, als er auf die Flut wartete, um die Spanische Armada wegzuputzen. Eine Hoe bezeichnet auch umgangssprachlich eine sexuell promiske Dame, die aus ihren Umtrieben Kapital schlägt.

          Da eine Künstliche Intelligenz kaum einzuschätzen vermag, ob es bei der Konversation lediglich um eine sittliche Verabredung zum Cream Tea mit Seeblick geht, fackelt sie nicht lange und sperrt. Immerhin, Facebook hat sich mittlerweile bei den Nutzern entschuldigt. Doch das Problem, so berichtet der englische „Guardian“, sei damit nicht aus der Welt. Anwohner einer Dyke Road sollen Probleme haben, ihre Adresse bei Lieferdiensten anzugeben. Und welche Suchergebnisse die Einwohner von Fingringhoe in Essex oder Cockplay in Northumberland beim Googeln lokaler Einrichtungen haben, wollen wir gar nicht wissen.

          Im Lichte dieser Ereignisse, für die Facebook sich schon entschuldigt hat, wird verständlich, warum das österreichische Dorf Fucking sich jüngst in Fugging umbenannt hat. Der Adelige, von dem der Name wahrscheinlich abgeleitet ist, hieß ohnehin Adalpert von Vucckingen. Wir hoffen nun das Beste für die Einwohner von Fickmühlen (Cuxhaven), Unterkaka und Oberkaka bei Meineweh, Möse (Rietberg), Hodenhagen (nach dem Adelsgeschlecht derer von Hodenberg) und natürlich Wixhausen (Darmstadt), Heimat des lokal sehr geschätzten symphonischen Blasorchesters, für ihr künftiges Facebook-Nutzererlebnis.

          Andrea Diener
          Redakteurin im Feuilleton.

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