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Künstlerin aus den USA : Decide Who You Are - die Künstlerin Adrian Piper in Wien

  • -Aktualisiert am

Adrian Piper, „Cornered #1491”, 1988 Bild: Generali Foundation

In Kürze auf der documenta, jetzt schon in Wien: Bilder der schwarzen New Yorker Künstlerin Adrian Piper.

          Zu den mit großer Spannung erwarteten Beiträgen der diesjährigen Documenta11 gehört das Werk der Amerikanerin Adrian Piper. Noch bevor die Weltkkunstschau eröffnet, zeigt jetzt die Generali Foundation in Wien eine Retrospektive mit Pipers Werken von 1965 bis heute, die beeindruckt. Zu sehen sind auch drei Bilder aus der Serie "Color Wheel", die die Künstlerin in Kassel zeigen will.

          Piper gehört zu den außergewöhnlichsten Künstlerinnen der Zeit. Sie startete in den 60-er Jahren mit konzeptuellen Werken, in denen sie das "sensorische Bewusstsein unter Raum- und Zeitbedingungen" untersuchte. Schon als 21-jährige nahm sie an internationalen Ausstellungen teil. 1970 begann Piper dann, ihre Stellung als Künstlerin, als Frau und als Schwarze in der Gesellschaft mit provokativen Performances, Fotografien und Text-Bild-Collagen zu thematisieren. Gleichzeitig nahm sie ein Philosophie-Studium auf.

          Politisches, Philosophie und Kunst treffen zusammen

          Diese Stationen und Einflüsse ergeben ein vielschichtiges und herausforderndes Werk, dass Beziehungen zwischen Persönlichem, Politischem und ästhetisch Konkretem herstellt. In ihren philosophischen Schriften und künstlerischen Werken treffen Kant, Funk Music und Yoga aufeinander. So schrieb sie "Eine kantische Analyse der Xenophobie" oder verfolgt das Thema "Der Struktur des Selbst" zugleich in ihren Texten und in der Werkserie "Decide Who You Are".

          Adrian Piper, „The Mythic Being/ I Embody Everything You Most Hate and Fear”, 1975

          In der Menge und Dichte der Wiener Retrospektive wird vor allem deutlich, welch aufrüttelnde visuelle Sprache Piper in den fast 40 Jahren ihres Schaffens entwickelt hat. Das zentrale Merkmal der Installationen, Fotografien, Collagen und Texte ist die direkte Konfrontation des Betrachters mit sehr emotionsgeladenen Bildern - und einer unmissverständlichen Forderung: "King #2" von 1989 zeigt zwei vergrößerte Zeitungsbilder. Über dem Foto des erhängten Körpers von Michael Donald steht in großen Buchstaben zu lesen "It´s not your fault...". Über dem Porträt des Gelynchten steht "But it´s your responsibility". Dieses Werk trifft den Kern, denn Piper kämpft gegen Rassismus, Xenophobie und Ignoranz.

          Außergewöhnliche Klarheit

          Zur Documenta11 wird Adrian Piper 14 Werke der "Color Wheel Series" zeigen. Diese Bilder unterscheiden sich zunächst auffallend von ihrem bisherigen Werk. Während sie bisher konkrete Situationen zeigt, kombiniert Piper hier sehr starke Symbole aus unterschiedlichen Kulturen: Die drei Affen, die in einem japanischen Shinto-Schrein Ohren, Augen und Mund zuhalten, und die Hindu-Gottheit Shiva. So fremd dies zunächst klingen mag, so zeigt sich hier in extremer Komplexität eben jenes Thema, das Pipers außergewöhnliche Qualität ausmacht: der klare Blick auf die Wirklichkeit, ohne Illusion, mit Entsetzen, voller Sinnlichkeit.

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