https://www.faz.net/-gqz-8k1ml

„Ghostbusters“ im Kino : Retrospuk

  • -Aktualisiert am

Dieser Geist ist im Vergleich zu Milo Yiannopoulus ein sehr sympathisches Kerlchen. Bild: dpa

„Ghostbusters“ ist nicht neu, liegt aber im Trend: Es ist eine von vielen alten Ideen, die derzeit wieder hochkochen. Die meisten davon waren schon immer schlecht.

          Erste neue alte Idee: Streng rechte Provokateure spielen Protestbewegung und ziehen sich die Kostüme der linken Revolte von vor vierzig Jahren an, um die Ansicht, es müsse alles wieder wie ganz früher werden, mit deren Aktionsformen zu vertreten. Also Demonstrationen samt endlosen Megafonreden, schrille Aktionen, Gegenöffentlichkeit (heute im Netz). In Deutschland hat man sogar eine dampfrechte Zeitschrift „Compact“ getauft, damit ihr Name ein bisschen wie der des kampflinken Urbildes „Konkret“ klingt. Wenn bei dieser Retroshow nicht alle klatschen und irgendwer stattdessen gegen Beleidigendes oder anderweitig Justitiables vorgeht, beschwert man sich über Zensur, weil die Linken damals, wenn nicht alle klatschten und irgendwer gegen Beleidigendes oder anderweitig Justitiables vorging, sich ja auch über Zensur beschwert haben.

          Zweite neue alte Idee: Hollywood dreht einen Film über ein mittelständisches Dienstleistungsunternehmen, das Gespenster und Monster bekämpft, weil diese beiden Plagen seit dem Film „Ghostbusters“ von 1984, der davon ebenfalls handelt, nicht gerade weniger geworden sind (siehe oben). Der neue Film heißt wie der alte; anstelle von begabten Komikern wie Billy Murray und Dan Aykroyd werden die Hauptfiguren diesmal von begabten Komikerinnen wie Melissa McCarthy und Kristen Wiig gespielt. Das Monströse sieht ein bisschen durchschaubarer aus als damals (wir haben uns ja an Effektexzesse gewöhnt), die Scherze fallen manchmal flach (und strampeln dann am Boden weiter; okay).

          Dritte neue alte Idee: Die als Protestbewegung verkleidete rechte Nervbrigade fällt im Internet über den harmlosen Film her, angeführt von einem Krachmacher namens Milo Yiannopoulus, dessen lausbubenfaschistoide Kasperle-Angriffe auf Frauen, Migranten und sonstige Lieblingszielscheiben der Neurechten selten ohne den Hinweis unternommen werden, er sei homosexuell und das stelle gerade für Linke bestimmt ein hirnsprengendes Paradox dar (noch so eine neue alte Idee, bitte „Ernst Röhm“ und „Michael Kühnen“ googeln).

          Der rechte Mob konzentriert sich bei der Attacke gegen das „Ghostbusters“-Remake natürlich auf die schwarze Schauspielerin Leslie Jones, wird rasch hässlich persönlich und erreicht, dass Herr Yiannopoulus lebenslang bei Twitter gesperrt wird. Kasperle alarmiert alle denkträgen Kinder, und die rufen brav: Zensur! Denn außer auf Twitter kann er sich ja nirgends äußern, man wird wohl nie wieder von ihm hören (wer’s glaubt). Endergebnis: Die neuen alten Ideen von Hollywood sind ganz nett, die neuen alten Ideen der militanten digitalen Gosse sind ganz fies. Wusste man beides längst. Bitte nicht fortsetzen.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Boris Johnson ist optimistisch Video-Seite öffnen

          Treffen mit Macron in Paris : Boris Johnson ist optimistisch

          Nach seinem Besuch in Berlin kam der britische Regierungschef am Donnerstag mit dem französischen Staatspräsidenten in Paris zusammen. Wirklich viel hatte Macron in Sachen Brexit-Abkommen aber nicht anzubieten. Trotzdem versprach er eine 30-tägige Anstrengung.

          Topmeldungen

          Die Pläne der Senderführung beim HR sind ein Misstrauensvotum gegen die eigenen Mitarbeiter.

          Kurs des Hessischen Rundfunks : Weniger Kultur wagen?

          Beim Hessischen Rundfunk soll das Radio-Kulturprogramm hr2 nach dem Willen der Senderführung verschwinden. Die Argumentation für diesen Schritt ist typisch. Sie zeugt von Verachtung – für die Kultur, die Mitarbeiter und die Beitragszahler.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.