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Hertie-Stiftung in der Kritik : Ein historisches Markenzeichen

Was will die Her.Tietz Initiative?

Die Stiftung war indes nicht einfach nur untätig. Mittlerweile gibt es eine Informationstafel an der Hochschule, außerdem wurden schon vor Jahren zwei Studien in Auftrag gegeben. Aber die Tafel wird von den Sprechern der Her-Tietz-Initiative als ungenau und tendenziell beschönigend kritisiert, etwa was die Höhe der von den Banken an die Familie Tietz geleisteten Entschädigungszahlung betrifft. Und die Studien werden bislang unter Verschluss gehalten. Eine dritte Studie ist seit geraumer Zeit angekündigt. Als gründliche Aufarbeitung der Vergangenheit wird man das nicht bezeichnen können. Seit Anfang letzten Jahres sieht sich der Stiftungsvorstand unter dem Vorsitzenden Frank-Jürgen Weise mit Vorwürfen, Mahnungen und gutgemeinten Ratschlägen aus dem Umfeld der Hertie School konfrontriert.

Weise, der vor einigen Jahren die Bundesagentur für Arbeit und zugleich das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge leitete, darf man entschiedenes Handeln zutrauen. Aber selbst aus dem Kreis des Kuratoriums, das eine beratende Funktion hat, ist zu hören, dass die Kritik nicht unberechtigt sei. Und auch Kuratoriumsmitglieder fragen sich, warum die beiden Studien zur Hertie-Unternehmensgeschichte aus den Jahren 2000 und 2008 nie publiziert wurden.

Beginnt jetzt das dritte Kapitel der Stiftungsgeschichte?

Stiftungen, schreibt Ulrich K. Preuß, der von 2005 bis 2010 an der Hertie School Staatstheorie lehrte, seien „ihrem Sinn nach kulturelle Institutionen“ und Träger einer Bedeutung, die über sie selbst hinaus weise. Die Hertie-Stiftung aber sei stumm, denn sie verzichte auf das Zeichenhafte in ihrem Namen und auf „die Erzählung, die ihr Ethos trägt“. Er schlägt eine Umbenennung in „Hertie-Stiftung Hermann Tietz“ vor.

Käme es so, wäre das dritte Kapitel in der Stiftungsgeschichte aufgeschlagen. Denn ihrem Ursprung nach war die Hertie-Stiftung eine Familienstiftung, gegründet 1953 von Georg Karg zu Zwecken der Bündelung und Verwaltung des Familienvermögens. Gemeinnützig wurde sie erst infolge der Umwandlung nach Kargs Tod im Jahr 1974. Die damals erfolgten finanziellen Transaktionen dürften nicht ganz einfach nachzuvollziehen sein.

Auch die ursprüngliche Familienstiftung existiert unter dem Namen Karg’sche Familienstiftung in anderer Form weiter. Außerdem gibt es noch die Karg Stiftung zur Förderung hochbegabter Kinder. Sie ist eine Gründung von Adelheid und Hans-Georg Karg, dem 2003 verstorbenen Sohn Georg Kargs, der 1974 zusammen mit seiner Schwester Brigitte Gräfin von Norman der Hertie-Stiftung ihre heutige Form gegeben hat. Mit Sabine Gräfin von Norman sitzt heute eine Enkelin von Georg Karg im fünfköpfigen Vorstand der Hertie-Stiftung. Über das Verhältnis der drei Stiftungen untereinander ist kaum etwas bekannt. Nur so viel: Einerseits sei man heillos zerstritten, andererseits nehme man, wenn nötig, Rücksicht aufeinander. Zur Zeit scheint mancher zu glauben, es sei besonders viel Rücksichtnahme nötig.

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