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Edo Reents (edo.)

Kritik an deutscher Sprache : Wer, wie, was?

  • -Aktualisiert am

Ernie und Bert kennt jedes deutsches Kind. Bild: dpa

Vor fünfzig Jahren gab es hier erstmals die „Sesamstraße“. Das richtige Deutsch, das man dort lernen konnte, ist heute Mangelware.

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          Inmitten der Feierlichkeiten zu fünfzig Jahren „Sendung mit der Maus“ darf man an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, dass noch ein anderer Kinderserienklassiker vor einem halben Jahrhundert ins deutsche Fernsehen kam, wenn auch zunächst nur in seiner amerikanischen Originalfassung: Im April 1971 war in den dritten Programmen des WDR, des NDR und des HR erstmals die „Sesamstraße“ zu sehen, knapp zwei Jahre später die deutsche Fassung mit der fröhlich auf und ab hüpfenden Erkennungsmusik. Seither kitzelt den Älteren unter uns die Maultrommel das Trommelfell: boing-bing, boing-bing, boing-bing.

          Aber schauen wir doch mal vorbei in der guten alten Sesamstraße, die man in einem Fernsehstudio von Manhattan zu einem pädagogisch wertvollen Paradies, in dem es sich ganz und gar unverkrampft leben und lernen ließ, ausgebaut hatte. Schon begrüßt uns der kleine Chor: „Der, die, das, wer, wie, was, wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt, bleibt dumm!“ Das wollte auch damals schon niemand, nur dass noch nicht die angestrengte Rede war von „Bildung“ als Chance und Schlüssel zu diesem oder jenem.

          Wer, wie, was? Jawohl, es waren, genau wie bei der Maus, Lach- und Sachgeschichten, die dort erzählt wurden, und zwar nicht, um Vorschulkinder frühzeitig unter Leistungsdruck zu setzen, sondern weil diese Geschichten um ihrer selbst willen interessant und meistens auch noch lustig waren. Dabei drang nicht nur die Maultrommel in Kinderohren ein, sondern, so beiläufig wie penetrant, auch die Erkenntnis, dass es zwischen Personal-, Relativ- und Interrogativpronomen einen Unterschied gibt und man diese also möglichst nicht durcheinanderbringen soll.

          Spitzt man seine ehemaligen Kinderohren und hört, wer wie was heute so redet, dann muss man annehmen, dass der „Sesamstraße“ nicht gerade das beschieden war, was man „Nachhaltigkeit“ nennt – offensichtlich haben die meisten Leute ihre Kinderstube woanders genossen. Schon die erstbeste Stichprobe bestätigt das: Ostermontag Morgen ist im Deutschlandradio Kultur zufällig Frido Mann zu hören: „Ich hab ja auch ein neues Buch verfasst, was demnächst erscheinen wird.“ Wer, wie, was? Der, die, das! Wenn in dem neuen Buch von Thomas Manns Enkel, DAS demnächst erscheinen wird, auch solche Sätze stehen, wie man sie überall hört – man spitze nur seine Ohren, ob alte oder junge –, dann muss das Lektorat da jedenfalls noch mal drübergehen.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

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