https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kritik-an-deutscher-sprache-sprachwissen-durch-die-sesamstrasse-17278752.html
Edo Reents (edo.)

Kritik an deutscher Sprache : Wer, wie, was?

  • -Aktualisiert am

Ernie und Bert kennt jedes deutsches Kind. Bild: dpa

Vor fünfzig Jahren gab es hier erstmals die „Sesamstraße“. Das richtige Deutsch, das man dort lernen konnte, ist heute Mangelware.

          1 Min.

          Inmitten der Feierlichkeiten zu fünfzig Jahren „Sendung mit der Maus“ darf man an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, dass noch ein anderer Kinderserienklassiker vor einem halben Jahrhundert ins deutsche Fernsehen kam, wenn auch zunächst nur in seiner amerikanischen Originalfassung: Im April 1971 war in den dritten Programmen des WDR, des NDR und des HR erstmals die „Sesamstraße“ zu sehen, knapp zwei Jahre später die deutsche Fassung mit der fröhlich auf und ab hüpfenden Erkennungsmusik. Seither kitzelt den Älteren unter uns die Maultrommel das Trommelfell: boing-bing, boing-bing, boing-bing.

          Aber schauen wir doch mal vorbei in der guten alten Sesamstraße, die man in einem Fernsehstudio von Manhattan zu einem pädagogisch wertvollen Paradies, in dem es sich ganz und gar unverkrampft leben und lernen ließ, ausgebaut hatte. Schon begrüßt uns der kleine Chor: „Der, die, das, wer, wie, was, wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt, bleibt dumm!“ Das wollte auch damals schon niemand, nur dass noch nicht die angestrengte Rede war von „Bildung“ als Chance und Schlüssel zu diesem oder jenem.

          Wer, wie, was? Jawohl, es waren, genau wie bei der Maus, Lach- und Sachgeschichten, die dort erzählt wurden, und zwar nicht, um Vorschulkinder frühzeitig unter Leistungsdruck zu setzen, sondern weil diese Geschichten um ihrer selbst willen interessant und meistens auch noch lustig waren. Dabei drang nicht nur die Maultrommel in Kinderohren ein, sondern, so beiläufig wie penetrant, auch die Erkenntnis, dass es zwischen Personal-, Relativ- und Interrogativpronomen einen Unterschied gibt und man diese also möglichst nicht durcheinanderbringen soll.

          Spitzt man seine ehemaligen Kinderohren und hört, wer wie was heute so redet, dann muss man annehmen, dass der „Sesamstraße“ nicht gerade das beschieden war, was man „Nachhaltigkeit“ nennt – offensichtlich haben die meisten Leute ihre Kinderstube woanders genossen. Schon die erstbeste Stichprobe bestätigt das: Ostermontag Morgen ist im Deutschlandradio Kultur zufällig Frido Mann zu hören: „Ich hab ja auch ein neues Buch verfasst, was demnächst erscheinen wird.“ Wer, wie, was? Der, die, das! Wenn in dem neuen Buch von Thomas Manns Enkel, DAS demnächst erscheinen wird, auch solche Sätze stehen, wie man sie überall hört – man spitze nur seine Ohren, ob alte oder junge –, dann muss das Lektorat da jedenfalls noch mal drübergehen.

          Edo Reents
          Redakteur im Feuilleton.

          Weitere Themen

          Ein Schiffbruch wird belohnt

          Goldene Palme in Cannes : Ein Schiffbruch wird belohnt

          Der Schwede Ruben Östlund gewinnt für „Triangle of Sadness“ die Goldene Palme von Cannes. Die übrigen Preise zeigen die Verlegenheit der Jury angesichts des diesjährigen Festivalwettbewerbs.

          Topmeldungen

          Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (mit geneigtem Kopf), links neben ihm die Präsidentin des ZdK, Irme Stetter-Karp, und die Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne); rechts neben Steinmeier Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU)

          Kirchentag in Stuttgart : Das Echo aus der Kirche

          Den Katholikentag in Stuttgart dominiert das Thema sexueller Missbrauch. Doch es ist nicht die einzige Ursache der Krise der katholischen Kirche in Deutschland.
          Freudenschreie in den Nachthimmel über Paris: Real Madrid gewinnt die Champions League.

          Champions-League-Finale : Der Liverpooler Albtraum ist Real

          In der Schlussphase wirft der FC Liverpool nochmal alles nach vorne, doch das Team von Trainer Jürgen Klopp kämpft vergebens. Nach dem Endspiel der Champions League jubelt einzig Real Madrid.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.