https://www.faz.net/-gqz-8psmj

Kristen Stewart im Interview : Der Surrealismus des Ruhms

  • -Aktualisiert am

In Cannes hat der Film polarisiert, unter den Applaus mischten sich auch Buh-Rufe.

Ich habe ein Faible für alle Festivals, bei denen es wirklich um Filme geht. Cannes nimmt da einen ganz besonderen Platz ein: Hier ist man ausschließlich, um sich mit Filmkunst zu beschäftigen. Daher fühlt es sich für mich nicht so an, als wäre ich hier, um etwas zu verkaufen. Sondern um der Liebe für Filme willen.

Sich zu verkaufen ist Teil Ihres Berufs geworden. Haben Sie einen Personal Shopper an Ihrer Seite?

Ich habe eine Stilberaterin, die mich schon berät, seit ich noch sehr jung war. Aber einkaufen geht sie für mich nicht, nein.

Sie geben uns einen Einblick in eine unbekannte Welt. Ist eine Chanel-Boutique für einen Personal Shopper nichts anderes als ein Art Luxus-Supermarkt für Haute Couture?

Wer in den Showrooms von Chanel tatsächlich einkauft, ist ultrareich oder Personal Shopper. Nur diese Gruppen können sich die exquisiten Modekunstwerke von Chanel Couture leisten. Im Grunde ist es eine Investition in eine Kunstform, nicht anders, als würde man sein Geld in einem Gemälde anlegen.

Kirsten Stewart bei der Vorstellung von „Personal Shopper“ in Cannes

Sie verstehen sich als Künstlerin. Ist es für Sie kein Dilemma, im Nebenjob eine Art wandelnde Litfasssäule für ein Couturehaus zu sein, ob in Anzeigen oder indem Sie die Marke bei öffentlichen Anlässen tragen?

Ich fühle mich von ihnen nie auf unangenehme Weise benutzt. Das liegt aber daran, dass Chanel in der Modewelt unter allen Konkurrenten heraussticht. Denn es ist nach wie vor ein eigenständiges, unabhängiges Unternehmen – die letzte Luxusmarke, die nicht zu einem Konzern gehört. Und das fühlt man. Es macht sich in ihrem Umgang mit Ästhetik bemerkbar. Ihnen bedeutet diese Kunst tatsächlich noch etwas. Man muss die Chanel-Mitarbeiter mit Menschen vergleichen, denen beim Bewundern eines Sonnenuntergangs vor Rührung die Tränen kommen, während andere ihn nicht würdigen.

Wie ist es, jemanden zu spielen, dessen Existenz für Sie selbst keine Relevanz hat?

Ich kenne diesen Job in- und auswendig, auch wenn ich selbst keinen Personal Shopper brauche. Alles, was ich auf großen Presseterminen oder dem Roten Teppich trage, ist geliehen. Daher brauche ich niemanden, der für mich solche Kleidung aussucht. Ausgestattet zu werden, das sehe ich als Interaktion mit dieser Kunstform, die aber nur in dem Kontext stattfindet, wenn man einen Film bewerben soll.

Ist Designerkleidung für Sie eine Art Schutzpanzer, eine Uniform für PR-Anlässe?

Für mich ist solche Kleidung, wenn sie ihren Job gut erfüllt, das genaue Gegenteil: Sie gibt mir eher das Gefühl, mich nicht verstecken zu müssen. Mir gefällt das. Ich finde das nicht oberflächlich. Ich fühle mich in diesen Kleidern so, als würde ich mein wahres Ich zeigen. Ich kann mich darin wie ich selbst in Bestform fühlen.

Könnte es Sie reizen, den Radius Ihrer Kunst zu erweitern, um Regie zu führen?

Ich habe letzten Sommer tatsächlich meinen ersten eigenen Kurzfilm gedreht. Das ist quasi mein persönlicher Versuch, ein Filmstudium zu ersetzen... Ein Experimentalfilm, er wird aussehen wie ein Studentenfilm. Ich habe das Drehbuch selbst geschrieben und hänge sehr an den Worten. Ich weiß, was sie mir bedeuten und was sie bei anderen Menschen auslösen. Ich hoffe, das geht bei der Umsetzung nicht verloren. Der Arbeitstitel lautet „Subjektive Veränderung“. Vielleicht nenne ich ihn aber auch einfach „Wasser“.

Weitere Themen

Topmeldungen

Kultusminister : Das Abstandsproblem einfach leugnen

Die zweite Corona-Welle rollt an – dennoch sollen nach den Sommerferien die Schulen wieder ganz öffnen. Keiner weiß genau, wie das funktionieren soll. Die Kultusminister verstecken sich hinter Worthülsen.

Corona-Tourismus auf Mallorca : Heimweh nach der Insel

Mallorca ist zum touristischen Testlabor für den Umgang mit der Corona-Pandemie geworden. Vor allem die ausbleibenden Besucher aus Deutschland und Großbritannien bringen die Insel und ihre Bewohner in große Not. Ein Besuch.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.