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Kristen Stewart im Interview : Der Surrealismus des Ruhms

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... ist vollkommen auf sich allein gestellt. Sie ist einsam, kann mit niemandem reden. Das liegt daran, dass sie ihren Zwillingsbruder verloren hat und dadurch nur noch „ein halber Mensch“ ist, im wahrsten Sinn des Wortes. Das Handy gibt ihr das Gefühl, lebendig zu sein und Emotionen zu empfinden. Das wirft schon ein beängstigendes Licht darauf, wie zwischenmenschliche Kommunikation heute funktioniert und wie unser Verhältnis zur Technologie beschaffen ist.

Was halten Sie von übernatürlichen Phänomenen, Verbindungen zum Jenseits oder jenseits unserer direkt erfahrbaren Welt?

Ich bin in der Beziehung Agnostikerin: Ich weiß nicht, ob es solche Kräfte tatsächlich gibt, ich zweifle es aber auch nicht grundsätzlich an. Ich selbst spüre manchmal Energien und habe das Gefühl, dass mich etwas antreibt, das ich rational nur schwer erfassen kann, das sich jenseits des Verstandes bewegt.

Was ist Ihre Konsequenz aus der Annahme, dass es womöglich zwischen Himmel und Erde mehr gibt, als wir Menschen uns träumen lassen?

Die Annahme löst bei mir jedes Mal einen interessanten Denkprozess aus, dem ich mich aber nach maximal fünf Minuten entziehen muss, so furchteinflößend ist er. Genau das macht auch diesen Film so beängstigend. Es handelt sich um eine Gespenstergeschichte – doch die Fragen, die aufgeworfen werden, sind grundsätzlicher Natur: „Bilde ich mir die Dinge um mich herum nur ein? Besteht die ,Realität’ nur aus unterschiedlichen Wahrnehmungen, oder erfahren wir sie tatsächlich gemeinsam?“ Man kann sich nicht mit solchen Fragen auseinandersetzen, ohne dass es einen körperlich vor Angst manchmal schüttelt.

Was macht Ihnen Angst?

Der Gedanke, dass wir niemals genau wissen werden, wer und wo wir sind. Die Momente, in denen Maureen taumelt und sie sich der Dinge um sich herum nicht mehr sicher sein kann, finde ich verstörend und unangenehm. Ich kenne solche Angstzustände aus eigener Erfahrung. Und ich bin heilfroh, wenn ich da rauskomme.

Wie erleben Sie diese Angstzustände, wie befreien Sie sich daraus?

Ich bin körperlich völlig verkrampft vor Angst. Die einzige Art, um dann gegensteuern, ist, wenn ich joggen gehe oder irgendetwas anderes Körperliches mache, das mich aus solchen Gedankengängen herausholt. Denn noch mal: Man wird die Antworten auf diese „großen“ Fragen eh nie erhalten. Du musst deinen Frieden damit machen, dass du niemals genau wissen wirst, wie sich das alles tatsächlich verhält. Trotzdem bin ich fest davon überzeugt, dass es etwas Unsichtbares gibt, das uns alle miteinander verbindet und uns davor bewahrt, sich einsam zu fühlen.

Seit dem Tod ihres Zwillingsbruders nur noch ein halber Mensch: Kristen Stewart in „Personal Shopper“ von Olivier Assayas.

Haben Sie das Gefühl, jetzt, mit 26 Jahren, bei sich angekommen zu sein?

Ja, ich glaube, ich habe meinen inneren Frieden gefunden. Frieden sollte man aber aber nicht mit Zufriedenheit verwechseln – das ist nicht, wonach ich strebe. Ich finde es gut, sich etwas unwohl zu fühlen und Dinge zu hinterfragen. Ich setze mich gern unbekannten, unbequemen Dingen aus und erkunde gern neue Territorien. Das ist nicht friedlich – aber schenkt mir innere Ruhe.

In einer Szene in „Personal Shopper“ sind Sie nackt zu sehen. Hat Sie das belastet?

Ich bin eigentlich immer zu allen Schandtaten bereit. Hier spiele ich eine Person in einer massiven Identitätskrise. Ich wollte in meiner Darstellung aufs Ganze gehen – so völlig unüberlegt, präsent und nackt zu agieren, wie ich nur kann. Das Coolste, was man als Schauspielerin erleben kann, ist, nicht einfach nur eine Leistung abzuliefern, sondern von dem eigenen Spiel völlig schockiert zu sein und den Regisseur genau das einfangen zu lassen. Das kriegst du nur hin, wenn du dich komplett bloßstellst. Für mich ist es das Größte, wenn sich dabei etwas zeigt, von dem ich selbst gar nicht wusste, dass es in mir steckt.

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