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Krieg und Medien : Der Marsch auf Bagdad

Das Dach des irakischen Informationsministeriums: Von dort aus berichten die TV-Journalisten aus Bagdad Bild: dpa

Mehr als hundert Journalisten sitzen in Iraks Hauptstadt, und täglich werden es mehr. Ein Krieg treibt die Einschaltquoten schließlich auch in ungeahnte Höhen.

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          Das gefährlichste sind die Strahlen. Ob sie militärischer Natur sind oder nur von einem Ü-Wagen stammen, der gerade das Stück eines Korrespondenten in die Heimat sendet, das können selbst die hochgerüsteten High-Tech-Flugzeuge nicht unterscheiden - und feuern im Zweifel los. "Deshalb werden wir einen Teufel tun, in den ersten Stunden des Irak-Krieges aus Bagdad zu berichten", sagt Nikolaus Brender, der Chefredakteur des ZDF.

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Auch das Pentagon hat, wie es im Internet heißt, bereits gewarnt: "Unauthorised journalists will be shot at." Nach Monaten der Ungewißheit wird es jetzt, da das Unvermeidliche eintrifft, auch für die Presse unangenehm.

          Tägliches Telefonat mit dem Chefredakteur

          Drei Mann hat das ZDF momentan in Bagdad, den erfahrenen Kriegsreporter Ulrich Tilgner samt Kameramann und Cutter. Doch das kann sich jederzeit ändern. Täglich telefoniert Tilgner mit seinem Chefredakteur, der sich zudem mit anderen Sendern wie der BBC oder dem spanischen Staatsfernsehen TVE über die Lage ins Benehmen setzt. Am Ende aber wägt sein Mann in Bagdad die Gefahr allein ab. Auch deshalb, nicht nur wegen der politischen Einschätzung, muß Brender in Zeiten wie diesen seinen Leuten blind vertrauen können. Keinesfalls wollte er in dieser Situation auf freie Mitarbeiter setzen.

          Dabei könnte er aus dem vollen schöpfen. Es ist der Tag nach der Rede des amerikanischen Präsidenten, in der Saddam Hussein von George W. Bush aufgefordert wurde, das Land binnen achtundvierzig Stunden zu verlassen. Zu dieser Zeit befinden sich etwa hundert Journalisten aus aller Welt in Bagdad, die meisten wohnen im Hotel Palestine, das "seine fünf Sterne nicht verdient", wie die RTL-Kollegin Antonia Rados am Telefon scherzt.

          Einschaltquoten in ungeahnten Höhen

          Doch statt es dem letzten deutschen Diplomaten Claude-Robert Ellner gleichzutun und das Land zu verlassen, kommen täglich immer mehr Journalisten und Kriegsreporter hinzu. Und nicht nur sie. Auch Abenteurer, mit einem Presseausweis bewaffnet, wittern ihre Chance. Sie wollen dorthin, wo die Angst sich ausbreitet. Einen der Logenplätze des Krieges zu ergattern könnte sich dieser Tage auszahlen. Jeder hier kennt die CNN-Story, als während des letzten Golfkrieges Peter Arnett und seine Leute als einzige westliche Journalisten in Bagdad blieben.

          Viele wollen es ihnen dieses Mal gleichtun. Noch aber leisten sich die großen Rundfunkanstalten ihre eigenen Leute. Ein Krieg treibt die Einschaltquoten schließlich auch in ungeahnte Höhen. Neben Tilgner, der vor zweieinhalb Wochen Luc Walpot für das ZDF in Bagdad ersetzte, berichtet Antonia Rados seit Anfang Januar für RTL aus der irakischen Hauptstadt. Sie hat einen deutschen Producer und einen britischen Kameramann an ihrer Seite.

          Bitte, kein Mitleid mit Journalisten

          Für Sat.1 und N24 berichtet Katrin Sandmann, Nic Robertson für CNN. Jörg Armbruster von der ARD hatte hingegen schon zuvor angekündigt, den Irak zu verlassen, sobald die ersten Bomben auf Bagdad fielen. Gestern trat er seine Heimreise Richtung Amman an. An seiner Stelle wird der freie Reporter Stefan Kloss berichten, der für das Erste bereits in Afghanistan war.

          In den nächsten Tagen werden Kloss und seine Kollegen an der Front zum Schlafen kaum kommen. "Alles hängt davon ab, wie die ersten Bombennächte verlaufen", sagt Antonia Rados. Auf Mitleid kann die gestandene Reporterin jedoch gut und gerne verzichten. "Wir Journalisten im Krieg", sagt sie, "sind die oft bemitleideten Freiwilligen: Aber es gibt hier fünf Millionen Menschen. Und die haben keine Wahl."

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