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Krieg gegen Terror : Pakistan: Wo Religion Familien spaltet

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Lautstarke Extremisten in Pakistan Bild: AP

Viel kommt jetzt auf Pakistan an: „Time“ besuchte eine Familie in Karachi.

          2 Min.

          15. Tag nach der Katastrophe von New York. Wir werfen einen Blick in die Asien-Ausgabe von „Time“. Die Journalisten des amerikanischen Magazins interessieren sich diese Woche vor allem für ein Land: Pakistan. Das Land ist plötzlich in den Mittelpunkt des Weltinteresses geraten.

          Die Frage, die alle bewegt, lautet: Gewinnen in Pakistan islamische Extremisten die Oberhand. Das öffentliche Leben dieses Landes, das 1947 als Auffangbecken für Indiens Muslime gegründet wurde, wurde schon in den letzten Jahren immer mehr von religiösen Erwägungen bestimmt. Ein amerikanischer Angriff auf Afghanistan könnte radikalen Kräften Auftrieb geben. Die Reporter von „Time“ wollten wissen, wie es um das Land bestellt ist - und besuchten eine Familie der Oberklasse in Karachi.

          Zuerst besuchten sie Attiya, 43, eine Dichterin. Sie wohnt im trendigsten Bezirk der Stadt. Ihr Mann ist Maler. Als die Reporter die Wohnung betreten, sitzen die Kinder vor dem laut aufgredrehten Fernseher und schauen eine Soap. In den Regalen stehen Fotos, Kunstbände und Kinderbücher von Enid Blyton.

          Attiyas älterer Bruder Aslam lebt eine Stunde entfernt. Er ist Ingenieur und lebt in einem Universitäts-Apartment. Dort, wo früher das Fernsehgerät stand, liegt heute eine Koran. An der Tür steht: Gott sorgt für alle am besten. In der schmucklosen Wohnung herrscht völlige Stille.

          Attiyas Kinder tragen Jeans und T-Shirt, lachen viel. Doch wenn Aslam sie besucht, sind sie angespannt. Aslam ist ein ehrgeiziges Mitglied der islamistischen Tableeghi-Jamaat-Bewegung. Auf seiner Stirn ist immer eine Druckstelle zu sehen, die von den Berührungen des Bodens beim Gebet herrührt. Seine Frau arbeitet nicht und hält ihr Gesicht durch einen Schleier bedeckt. Wenn sie Attiya besucht, beschwert sie sich, dass es bei ihr keinen Platz zum Beten gibt. Und wenn Attiya zu Aslam nach Hause kommt, fordert er sie auf, einen Schleier umzulegen. Sie habe bisher immer abgelehnt, verrät sie „Time“. Die Schilderung zeigt eindrucksvoll, wie die Religion in Pakistan Familien trennt.

          Spätestens seit der Zeit des Militärdiktators Zia ul-Haq haben es säkulare oder liberale Muslime immer schwerer im Land. Allein in diesem Jahr sind 100 Menschen bei Anschlägen von Islamisten ums Leben gekommen. An Hauswänden sieht man Graffiti, die „Tod den Ungläubigen“ fordern. Eines Tages, fürchtet Attiya, werde Pakistan ein großes Afghanistan sein.

          Bislang sind die Islamisten nur eine lautstarke und aggressive Minderheit. Ob es deutlich mehr werden, das dürfte sich in den nächsten Wochen entscheiden. Von der „unendlichen Gerechtigkeit“ seiner Mission wird der Westen auch die Muslime in Pakistan überzeugen müssen.

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