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Krebsimpfung : Sie wirkt, aber nützt sie auch?

  • -Aktualisiert am

Entschlossen zum Kampf: Harald zur Hausen Bild: ddp

Die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs gilt als Meilenstein. Wie nützlich sie tatsächlich ist, ist umstritten. Ihr Entdecker, der diesjährige Nobelpreisträger Harald zur Hausen, kämpft um die Akzeptanz seiner Entdeckung.

          Mitte der Woche wird der Heidelberger Krebsforscher Harald zur Hausen in Stockholm den Medizin-Nobelpreis für eine Entdeckung erhalten, die weltweit zum ersten Impfstoff gegen bösartige Wucherungen, gegen Krebs, geführt hat. Es geht um den Gebärmutterhalskrebs, der durch Viren, die Humanen Papillomviren (HPV), verursacht wird. Seit dem Tag vor knapp zwei Jahren, als die Pharmaindustrie diese Vakzinen auf den Markt brachte, und besonders jetzt, da dieselbe Branche aggressive Werbekampagnen führt, ist ein erbitterter Streit um die Seriosität solcher Versprechen losgebrochen. Es ist ein Streit geworden um Studien, Daten, Schuld und Moral – ein Streit, in dem der Heidelberger Nobelpreisträger zunehmend sein wissenschaftliches Renommee investiert und die Impfstoffkritiker ungerührt ihre Unzufriedenheit über die Zulassung kundtun.

          Die Impfung gegen Humane Papillomviren, das ist klar gezeigt worden, ist sehr wirksam. Die Ständige Impfkommission hatte die Vakzine deshalb rasch empfohlen, nachdem bereits auch schon die ersten Krankenkassen die freiwillige Kostenübernahme für den mit vier- bis fünfhundert Euro durchaus teuren Impfstoff signalisiert hatten. Bis heute freilich stellt sich für viele, die diese schnelle Zulassung kritisieren, die entscheidende Frage, wie nützlich die Impfung für die Mädchen und Frauen tatsächlich ist? Wirksamkeit und Nutzen einer Impfung sind nicht dasselbe. Eine Stellungnahme von dreizehn Gesundheitswissenschaftlern monierte vor wenigen Tagen in einem Manifest, dass dieser Unterschied den Impflingen, ihren Eltern und der Öffentlichkeit bisher nicht hinreichend deutlich erklärt wurde.

          Zwei Impfstoffe zugelassen

          Die wissenschaftlichen Fakten, um die es dabei geht, sind keineswegs neu. Deshalb kann es auch nur darum gehen, wie sie kommuniziert werden. Humane Papillomviren werden durch Sexualkontakte übertragen. Es gibt weit mehr als hundert Viren dieser Art. Mindestens fünfzehn davon gelten als onkogen, sie können die unterschiedlichsten Arten von Krebs hervorrufen, der zahlenmäßig wichtigste ist der Gebärmutterhalskrebs. Andere Virentypen sind weniger gefährlich, sie verursachen andere Krankheiten, zum Beispiel Feigwarzen. In Deutschland sind derzeit zwei Impfstoffe zugelassen. Beide richten sich gegen die HPV-Typen 16 und 18, einer der Impfstoffe außerdem noch gegen die beiden Warzenerreger 6 und 11.

          Stein des Anstoßes ist nicht zuletzt die Art, wie die Impfstoffe von den Herstellerfirmen beworben werden. Die kritische Stellungnahme fordert, Behauptungen wie die, dass die Impfung das Auftreten von Gebärmutterhalskrebs um siebzig Prozent oder gar achtundneunzig Prozent verringere, müssten unterbleiben. Tatsächlich ist das durch keine wissenschaftliche Untersuchung gedeckt, weil es zwei bis drei Jahrzehnte dauert, bis sich aus einer Infektion mit Humanen Papillomviren über Krebsvorstufen ein Krebs im Gebärmutterhals entwickelt. Eine Impfung, die erst seit einigen Jahren verfügbar ist, kann auf das Kriterium Krebshäufigkeit mithin keinen Einfluss gehabt haben.

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