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Krebs & Literatur : Die K-Frage

  • -Aktualisiert am

Fatale ärztliche Diagnosen mit den Lesern teilen: Auch Henning Mankell will uns nun von seiner Krankheit erzählen.

          1 Min.

          Unsere Gedanken sind noch immer verschlossen, obwohl es längst Vorstellungen davon gibt, dass man unseren Gehirnen beim Denken bald zuschauen könnte. Soweit ist es noch nicht. Wer sich entschließt, nicht über seine Sorgen, Probleme und Krankheiten zu reden, bleibt damit für sich.

          Umso auffälliger, dass gerade in jüngster Zeit immer mehr Künstler, Autoren und andere Prominente sich dem Schweigen entziehen und ihre Krankheit in die Öffentlichkeit tragen. Nachdem der Theaterregisseur Christoph Schlingensief, der 2009, ein Jahr vor seinem Tod, mit dem Krebs-Tagebuch „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!“ noch heftige Kontroversen auslöste, bekannten sich zuletzt unter deutlich weniger Kritik der amerikanische Journalist Jeff Jarvis wie auch der deutsche Romancier Wolfgang Herrndorf zu ihrer Krankheit.

          Befund auf der Website

          Jarvis beschreibt in seinem Buch „Mehr Transparenz wagen“ schonungslos seine Prostataerkrankung, Herrndorf hatte, kurz nach der Krebsdiagnose, den Blog „Arbeit und Struktur“ begonnen. Inzwischen ist Herrndorf tot, und das ergreifende Protokoll seines angekündigten Sterbens ist als Buch erschienen und mittlerweile ein Bestseller. Seine Klarsicht sowie der unsentimentale Umgang mit der eigenen Verzweiflung machen es über die literarische Bedeutung hinaus zu einem wichtigen Dokument.

          Seit zwei Wochen weiß auch Henning Mankell, dass er krank ist. Und wir wissen es, weil der Fünfundsechzigjährige den Befund auf seiner Website veröffentlicht hat: Er habe einen Tumor im Nacken, einen im linken Lungenflügel, und es sei nicht klar, ob nicht noch mehr Körperteile befallen seien. „Meine Angst ist sehr groß“, schreibt Mankell, „aber ich kann sie im Großen und Ganzen unter Kontrolle halten.“ Warum er seine Krankheit nicht mit sich, sondern mit der ganzen Welt ausmache, begründet Mankell damit, dass es hier um Schmerzen gehe, die auch viele andere Menschen beträfen. Mankell will aufschreiben, „wie es ist“.

          Für die Zeitung

          Mit einer schwedischen Tageszeitung hat er dafür eine Kolumne verabredet, die in unregelmäßigen Abständen erscheinen soll. Die erste Folge finden sie hier. Mehr als vierzig Millionen Romane hat der schwedische Bestsellerautor weltweit verkauft. Seine berühmteste Figur, den schwerblütigen Polizisten Kurt Wallander aus Ystad, ließ er zuletzt an Alzheimer erkranken. Sein Schöpfer kündigte jetzt an, aus der Perspektive des Lebens zu schreiben, nicht der des Todes. „Ich wollte ja nicht sterben, zu keinem Zeitpunkt, und ich will es auch jetzt nicht“, steht in Wolfgang Herrndorfs Blog.

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

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