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Krach bei „New York Times“ : Meinungsmacher in einem polarisierten Land

  • -Aktualisiert am

Das Gebäude der „Times“ In New York. Bild: AFP

Der Chef der Meinungsseite der „New York Times“ hat gekündigt. Zuvor hatte er den Beitrag eines Republikaners gebracht, an dem auch intern heftige Kritik geübt wurde. Das zeigt, was im amerikanischen Journalismus los ist.

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          Bei der „New York Times“ schlagen die Wogen hoch, nachdem der Meinungsredakteur James Bennet nach einem Gastbeitrag des republikanischen Senators Tom Cotton gekündigt hat. Der Artikel unter der Überschrift „Schickt die Truppen“ argumentierte, das Militär müsse zu Hilfe gerufen werden, wenn Randalierer den örtlichen Sicherheitskräften zahlenmäßig überlegen seien oder lokale Politiker die nötigen Schritte zur Wiederherstellung der Ordnung nicht ergriffen. Dem Stück ist inzwischen eine Erklärung vorangestellt, in der Chefredakteur Dean Baquet, selbst Afroamerikaner, Fehler einräumt. Der Beitrag sei nicht sorgfältig bearbeitet worden, er enthalte nicht verifizierte Behauptungen und Übertreibungen.

          Cotton hatte bemerkt, Präsident Bush habe 1992 Truppen nach Los Angeles geschickt, um die Rodney-King-Aufstände unter Kontrolle zu bringen. Er erwähnte nicht, dass der kalifornische Gouverneur darum gebeten hatte. Cotton plädierte für den Einsatz der Truppen über die Köpfe von Gouverneuren hinweg.

          In einem zutiefst polarisierten Land, in dem die öffentliche Debatte zum Grabenkampf geworden ist, ist es dringend nötig, Argumente der anderen Seite zu hören. Und die Forderung, den Unruhen in amerikanischen Städten mit dem Militär zu begegnen, ist keine Außenseiter-Haltung unter Republikanern. Respektabler Meinungsjournalismus müsse auf Fakten gründen, nicht auf Falschdarstellungen, geben demgegenüber Kritiker zu bedenken.

          Die Veröffentlichung des Beitrags zwei Tage nach der Drohung von Präsident Trump, das Militär gegen Plünderer einzusetzen, wirkte für viele gefährlich. „Dies zu veröffentlichen bringt alle Afroamerikaner in Gefahr, Mitarbeiter der ,New York Times‘ eingeschlossen“, schrieben Mitarbeiter des Blattes bei Twitter.

          In Bennets Rücktritt kulminiert ein lange schwelender Streit über die Rolle der „Times“: Soll die Zeitung in der Ära Trump mit einer moralischen Mission auftreten oder Chronist sein? Chefredakteur Baquet verficht Letzteres, andere argumentieren, Trumps Regierungsstil führe die Berichterstattung ad absurdum.

          Verkompliziert wird die Lage dadurch, dass Twitter für Journalisten zum Zweitmedium geworden ist. Im vergangenen Jahr nahm bei der „Washington Post“ der afroamerikanische Journalist Wesley Lowery seinen Hut, nachdem er sich mit Tweets über Rassismus und soziale Ungleichheit den Unmut des geschäftsführenden Redakteurs Marty Baron zugezogen hatte. Und bei der „Pittsburgh Post-Gazette“ entzündete sich jetzt ein Entrüstungssturm über die Disziplinierung einer schwarzen Journalistin, die einen ironischen Foto-Tweet über die „horrenden Verwüstungen“ absetzte, welche Besucher eines Country-Konzerts hinterlassen hatten.

          Man muss dazu wissen, dass afroamerikanische Reporter 2014 in Ferguson auf Twitter ein Diskussionsforum für Themen fanden, die jetzt als druckreif gelten – etwa die tödlichen Folgen von institutionalisiertem Rassismus. Reporter nutzen dieses Forum, auch wenn dies mit dem Anspruch ihrer Arbeitgeber auf Unparteilichkeit in Konflikt steht. Lowery tweetete zur Krise bei der „New York Times“: „Objektivitäts-versessener Beide-Seiten-Journalismus“ sei ein „gescheitertes Experiment“, „moralische Klarheit“ sei gefragt. Viele junge amerikanische Journalisten sind anscheinend ähnlicher Meinung.

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