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Kosmonautinnen : Ungeschminkt im Weltraum

Schwerelos schön: Jelena Serowa kurz vor ihrem Start zur ISS in Kasachstan. Bild: dpa

Wie frisiert frau sich im All? Und ist es ohne Männer überhaupt auszuhalten? Vor allem Kosmonautinnen sehen sich bei Pressekonferenzen immer wieder mit haarsträubend blöden Fragen konfrontiert.

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          Da sind Sie also ziemlich erfolgreich in Ihrem Gebiet, haben Biophysik, Medizin oder Psychologie studiert. Die Raumfahrtbehörde suchte Sie nach harten Testläufen, die Sie alle bestanden haben, für ein Projekt aus. Sie dürfen zwar noch nicht ins All, aber immerhin einen Mondflug simulieren und dreißig Experimente durchführen. Sie sitzen also frohen Mutes und einigermaßen stolz in einer Pressekonferenz, und dann fragt man Sie: „Sagen Sie mal, wie kommen Sie eigentlich acht Tage ohne Make-up aus?“

          Diese hübsche Szene ereignete sich nicht etwa im Jahr 1963, als die erste Kosmonautin Valentina Tereschkowa in ihre Wosktok VI stieg, sondern in dieser Woche. „Wir sind auch ohne Make-up sehr schön“, gab Darja Kommissarowa zurück. Auch ihrer Kollegin Anna Kussmaul verschlug es nicht die Sprache. Als die Frage aufkam, wie die Damen es verkrafteten, die ganze Zeit ohne Männer zurechtkommen zu müssen, antwortete sie: „Wir arbeiten. Wenn man arbeitet, denkt man nicht an Männer oder Frauen.“

          Jelena Luschnizkaja steigt in das Shuttle, hinter ihr schließt sich die Tür für eine Woche. Zusammen mit fünf weiteren Frauen wird sie einen Mondflug simulieren.
          Jelena Luschnizkaja steigt in das Shuttle, hinter ihr schließt sich die Tür für eine Woche. Zusammen mit fünf weiteren Frauen wird sie einen Mondflug simulieren. : Bild: dpa

          Die sechs Wissenschaftlerinnen sollen in einem nachgebauten Raumschiff in Moskau eine Woche lang eine Mondmission simulieren. Ganz zufällig ist der Zeitpunkt nicht gewählt: Gerade erst wurde ein bemannter Raumflug für das Jahr 2029 angekündigt. Bei dem Projekt „Luna 16“ gehe es auch darum, die Reaktion einer rein weiblichen Crew auf Stresssituationen zu testen, so Oleg Orlow vom Moskauer Institut für biomedizinische Probleme. Der Projektleiter Sergei Poromajow ergänzte: „Es gab noch nie eine rein weibliche Crew auf der ISS. Wir glauben, die Zukunft im All gehört Männern und Frauen gleichermaßen. Aber leider haben wir nach einer Zeit, in der kaum Frauen ins All flogen, ein bisschen was nachzuholen.“

          Haarpflege bei Schwerelosigkeit

          Dabei werden die Kosmonautinnen auch möglichen technischen Störungen ausgesetzt. Kameras überwachen das Verhalten der Crew rund um die Uhr. Die Teilnehmerinnen im Alter zwischen 22 und 34 Jahren kommen aus verschiedenen Feldern der Wissenschaft, Medizin und Psychologie. „Wir sind gut ausgebildet und sollten grundsätzlich mit komplizierten Situationen umzugehen wissen“, sagte Jelena Luschnizkaja.

          Mit sehr raumstationfreundlicher Frisur und ohne Lidstrich: Die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti hielt es so lange im All aus wie keine Frau vor ihr.
          Mit sehr raumstationfreundlicher Frisur und ohne Lidstrich: Die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti hielt es so lange im All aus wie keine Frau vor ihr. : Bild: dpa

          Es ist nicht das erste Mal, das vor allem russische Raumfahrerinnen mit eher dämlichen Fragen konfrontiert werden. Im vergangenen Jahr traf es ISS-Kosmonautin Jelena Serowa, die von September 2014 bis März 2015 auf der ISS stationiert war. Nach sieben Jahren Training durfte sich die Raumfahrtingenieurin wiederholte Fragen gefallen lassen, wie sie denn an Bord bei Schwerelosigkeit ihr Haar pflege und ob sie ihre momentane Frisur beizubehalten plane. „Darf ich auch eine Frage stellen? Interessieren Sie sich denn gar nicht für die Haarschnitte meiner Kollegen?“ fragte die leicht genervte Serowa schließlich in die Runde.

          Wenn die sechs Moskauer Kosmonautinnen nach einer Woche ungeduscht und ungeschminkt aus ihrem Simulationsshuttle kriechen, wird wohl nicht nur die Wissenschaft um einige Erkenntnisse bereichert sein. Auch Institutsleiter Igor Uschakow dürfte sein Welt- und Frauenbild erschüttert sehen. Er wünschte den Forscherinnen eine konfliktarme Zeit, obwohl es allgemein heiße, „zwei Hausfrauen können nur schlecht mit einer Küche leben“.

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