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Konkurrenzkampf der Ghostwriter : Streit unter fremden Federn

  • -Aktualisiert am

Die Causa Guttenberg hat das Geschäft der Ghostwriter nicht geschädigt, sondern beflügelt. Der graue Markt der Fremdautoren ist umkämpft wie nie und zum Schauplatz skurriler Auseinandersetzungen geworden.

          Bisher galt das Geschäft der sogenannten Ghostwriter als ein verschwiegenes. Die Produzenten vermeintlich oder tatsächlich wissenschaftlicher Arbeiten im Namen eines Dritten durften nicht in der Öffentlichkeit erscheinen, weil dann die Sache, um die es dem Auftraggeber ging, aufgeflogen wäre – wir haben es ja gerade erlebt. Der Schein, zumindest glaubt das der naive anonyme Akademiker, muss gewahrt bleiben, soll auf Schleich- und Umwegen etwa ein Doktortitel erworben werden.

          Doch weit gefehlt. Die Plagiatsaffäre um den ehemaligen Verteidigungsminister und all die hochmoralischen Urteile dazu haben das Geschäft der sogenannten Geisterschreiber keineswegs gestört, sondern eher beflügelt. Einer dieser unsichtbaren Schreiber sagte jetzt der „Berliner Zeitung“, die Guttenberg-Affäre habe gar „einen Dammbruch ausgelöst“. Bekam er früher nur wenige Anfragen pro Woche, seien es nun bis zu dreißig. Was die einen für Lug und Trug halten, ist also für andere ein solides Geschäft.

          Streit unter „Weltmarktführern“

          Nur wird sich zeigen, ob der Schritt aus der Grauzone ins Licht der Öffentlichkeit langfristig eine Belebung dieses klandestinen Marktes bewirkt. Umkämpft scheint er jedenfalls zu sein. Erst im Februar dieses Jahres hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf zu entscheiden, ob ein Ghostwriter sich selbst auf seiner Internetseite als „einer der Marktführer“ bezeichnen dürfe. Geklagt hatte keine Universität oder das Ehrengericht einer akademischen Berufsvereinigung, sondern ein Konkurrent. Der fand, dass der andere weder nach Umsatz noch nach seinem Angebot zur „Spitzengruppe“ des Gewerbes gehöre. Die Richter untersagten dem Beklagten kurzerhand, für sich so zu werben, da er schließlich verbotene Dienstleistungen anbiete.

          Die Behauptung, dabei handle es sich nur um Übungstexte, also gewissermaßen um Workshops für Menschen mit unstillbarer Sehnsucht nach fremdem Federnschmuck, wiesen die Richter zurück: Das sei lebensfremd, denn dafür würde niemand zehntausend Euro und mehr zahlen. In Berlin ging gestern ein ähnlicher Prozess ohne Entscheidung zu Ende. Zwei Ghostwriter-Firmen stritten um Weltmarktführerschaft und den Titel einer „international agierenden Unternehmensgruppe“. Die Richter empfahlen, den Streit außergerichtlich beizulegen. Man willigte ein – und einige überraschte Prozessbeobachter beschlich die Befürchtung, es könnte sich vielleicht nur um eine öffentlichkeitswirksame Kampagne zur Werbung in eigener Sache gehandelt haben.

          Regina Mönch

          Freie Autorin im Feuilleton.

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