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Russlands Pläne für die Kunst : Museen im Mond

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Da sind sie sich schon ganz nah: Der Poseidontempel südlich von Athen wäre eines jener Kulturgüter, das als 3D gedruckte Version von den Russen auf dem Mond gesichert werden könnte. Bild: AP

Auf einer wissenschaftlichen Konferenz in Moskau haben zwei russische Weltraumforscher ihre Pläne für den Erhalt der Kunst vorgestellt: Der Mond spielt dabei eine wichtige Rolle.

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          Russland, für das die Bewältigung seiner inneren Probleme keine wirkliche Priorität hat, will den Mond kolonisieren. Präsident Putin plant schon länger, die Flüge zum Erdtrabanten wiederaufzunehmen, und möchte mittelfristig dort einen Stützpunkt einrichten. Jetzt haben bei einer wissenschaftlichen Konferenz an der Moskauer Bauman-Hochschule für Technologie zwei russische Weltraumforscher darauf hingewiesen, dass dieses Projekt angesichts der sich verschärfenden Krisen auf unserem Planeten immer dringlicher werde. Zwei Physiker, Alexander Bagrow vom Institut für Astronomie der Akademie der Wissenschaften und Alexander Pawlow von der Technischen Hochschule für Kernforschung, schlugen vor, den Mond zum Refugium des Weltkulturerbes zu machen, das zumal angesichts des zunehmenden islamistischen Terrors auf Erden nicht mehr sicher sei.

          Bagrow und Pawlow wollen unter der Oberfläche unseres Satelliten gigantische Tunnel anlegen, um dort Gemälde, Skulpturen, seltene Drucke und Handschriften aufzubewahren – unerreichbar für Vandalen, aber auch für Bakterien, Brände, Erdbeben oder Klimakatastrophen. Diese Hohlräume würden, so die Gelehrten, durch die Förderung der Bodenschätze des Mondes, etwa Titanium oder Helium, in schon absehbarer Zeit entstehen. Flankierend könne man aus Mondgestein, natürlich computergestützt und mit 3D-Printer, exakte Kopien der wichtigsten, nicht transportablen Baudenkmäler anfertigen – etwa der Notre-Dame, des Tadj Mahal oder der Pyramiden von Gizeh –, die dann dort für Milliarden Jahre vor schädlichen Einwirkungen sicher sein würden.

          Die extreme Zugangsbeschränkung zu Kunstwerken ist nach Meinung von Bagrow und Pawlow der Preis, den die Menschheit für deren Erhaltung zahlen müsse, solange sie fortfahre, zerstörungswütige Fanatiker heranzuziehen. Schon in etwa einem halben Jahrhundert werde es Verkehrswege zum Mond geben, versichern die Wissenschaftler, die selbst seit Jahren an einem Erde-Mond-Lift arbeiten. Doch wer wird auf dem Mond die Kulturschätze bewundern und studieren? Auf die Dauer würden Kunstreisen zum Mond auch für ausgewählte Nichtmillionäre organisiert werden, sind Bagrow und Pawlow gewiss, was freilich hieße, dass selbst Fachleute nur wenige Male im Leben Gelegenheit hätten, Originalen zu begegnen. Im Übrigen biete sich der Mond auch als sicherer Hafen für private Schätze oder als individuelles Refugium vor globalen Notlagen an. Interessierte Personen seien, so die Forscher, als Investoren hochwillkommen.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

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