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Jürgen Kaube (kau)

Kommentarkultur : Produktwerbung

  • -Aktualisiert am

Wie bekommt man die Kommentarkultur wieder in den Griff, hat sich jetzt der Gründer der Internetseite „Netzpolitik“ gefragt. Die Antwort ist jenseits der viel beschworenen Online-Kompetenz sehr naheliegend.

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          „Tja“, sagte der Kunde, „mein Wunsch ist etwas ausgefallen.“ Er suche ein Gerät, um sich von einem Ort zum anderen fortzubewegen. Je schneller, desto besser, aber sicher sollte es natürlich auch sein. Mehr als zwei Räder wären darum wohl gut, irgendetwas Stabiles. Nein, ein Bus oder ein Zug kämen nicht in Frage, er wolle beweglich bleiben. Ein Dach sollte das Ding natürlich haben, auch sonst gegen Wind und Wetter geschützt sein, eine abschließbare Ladefläche und Sichtmöglichkeiten für eventuell Mitreisende wären klasse. „Na“, sagte der Verkäufer aufgeräumt, „Sie sind aber ganz schön anspruchsvoll. Aber Sie haben Glück, gerade heute habe ich etwas hereinbekommen, das ihnen gefallen wird. Die Hersteller nennen es Pkw.“

          Der Gründer der Internetseite „Netzpolitik“, Markus Beckedahl, hat gerade einen artgleichen Wunsch publiziert. Ihm gehen die Kommentare auf die Nerven, die jeder zu Artikeln im Netz abgeben kann. Denn was lese man da ständig: Unbeherrschtheiten, Beleidigungen, Schmähungen, Unterstellungen, Schuldzuweisungen, Verschwörungstheorien. Man darf ergänzen, dass das Gegenteil auch nicht viel informativer ist: „Werter Autor, das war super!!“ oder „Endlich sagt’s mal einer.“ Markus Beckedahl hat auf das Überprüfen solcher Hudeleien und Sudeleien, zu dem er rechtlich gezwungen ist, keine Lust mehr, und auch nicht auf die Antworten - „Zensur!“, „Netzfreiheit!“ -, die er bekomme, wenn er etwas davon lösche. 130.000 Kommentare habe er gelesen, das sei jetzt echt genug. Mit anderen Worten: Markus Beckedahl wünscht sich disziplinierte Mitteilungen, solche, bei denen der Schall nicht schneller als das Licht war, gemäßigte Gefühlsäußerungen, Rücksicht auf zwischenmenschliche Standards und die knappe Zeit der Mitlesenden.

          Er wünscht sich die Unterdrückung von allem, „was keinen Mehrwert bietet und schlechte Stimmung verbreitet“, verlangt nach Autoren, die nicht nur so daherreden, nach Bewertungen der Texte für den Leser. Wie bekommt man, fragt er, die Kommentarkultur „wieder in den Griff“? Wahrscheinlich, so schreibt er, liege die Lösung in einer Kombination seiner Wünsche. „Na hören Sie“, sagte der Leser aufgeräumt, „eine kontrollierte Kommentarkultur, Sie sind aber ganz schön anspruchsvoll! Aber ich hab da gerade etwas gesehen, das wäre vielleicht etwas. Nicht, dass es jeden Anspruch erfüllt, aber den auf Repression des gedankenlosesten Geschwätzes und der ärgerlichsten Redundanzen schon. Beleidigungen werden auch geprüft, die Autoren beobachten sich wechselseitig, die schlimmsten Nervensägen laufen Gefahr, öffentlich benannt zu werden. Das könnte Ihnen eigentlich gefallen. Die Hersteller nennen es Zeitung.“

          Jürgen Kaube
          (kau), Herausgeber

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