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Julia Bähr, Redakteurin im Feuilleton

Kommentar : Wie häkle ich einen Korkenzieher?

  • -Aktualisiert am

Man kann ja nicht immer nur im Koran lesen: Häkelarbeiten machen Freude. Bild: Picture-Alliance

Seit die CIA veröffentlicht hat, was sie auf der Festplatte von Usama Bin Ladins Computer in seinem Versteck fand, ist klar: Konsequent war seine Ablehnung des Westens nicht.

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          Falls sich mal wieder eine Regierung fragt, wie sie einen Staatsfeind der Lächerlichkeit preisgeben kann – die CIA weiß Bescheid. Sechs Jahre nach dem Tod von Usama bin Ladin hat sie nun fast komplett veröffentlicht, was sie auf dem Computer fand, den der Terrorist in seinem Versteck nutzte. Jeder kann im Internet die Liste durchsuchen, vorausgesetzt, die Seite ist gerade mal nicht wegen Überlastung unerreichbar. Aber wahrscheinlich wurden die größten Perlen bereits geborgen, denn wie das noch besser werden soll, kann man sich beim besten Willen nicht ausmalen: Usama bin Ladin hatte die Animationsfilme „Antz“ und „Ice Age: Dawn of the Dinosaurs“ sowie den Horrorfilm „Resident Evil“ auf dem Computer, daneben mehrere Folgen „Tom & Jerry“ und die Dokumentation „Where in the World is Osama bin Laden“. Außerdem den Youtube-Klassiker „Charlie bit my finger“, in dem nicht viel mehr passiert, als der Titel verrät, und mehrere Videos mit Häkelanleitungen.

          „The Art of Crochet by Teresa“ heißt die Reihe, die unter anderem das Häkeln eines Sterns, einer Mütze, einer Blume und eines Korkenziehers lehrt. Was man mit einem gehäkelten Korkenzieher anstellen soll, zumal als Angehöriger einer Religion, die Alkohol verbietet, bleibt offen. Gesichert ist dagegen eines: Bin Ladins Versteck hatte keinen Internetanschluss. Diese Videos wurden also nicht mehr oder minder absichtlich nebenbei heruntergeladen, sondern müssen von irgendjemandem ins Versteck gebracht worden sein, um dort auf die Festplatte gespielt zu werden.

          Selbst wenn Bin Ladin das „Mr. Bean“-Video, das man ebenfalls fand, nicht selbst angeschaut hat – es bleibt doch dabei, dass in seinem Versteck die Vorbehalte gegenüber der verhassten westlichen Welt nicht allzu konsequent durchgehalten wurden. Wer in der Liste nach Pornographie suchte, wurde übrigens nicht fündig. Der einzige Treffer zu „Sex“ war die Doku „Sex Crimes and the Vatican“. Das liegt aber einzig daran, dass diese Sammlung strikt unter Verschluss gehalten wird. Dass es im Versteck von Bin Ladin Pornos gab, hat der Chef des Nationalen Geheimdienstes DNI bereits 2015 bestätigt – und bekanntgegeben, dass dazu keine weiteren Informationen veröffentlicht werden. Auch die Frage nach speziellen Vorlieben ließ er glücklicherweise unbeantwortet. Inzwischen haben wir ja die Antwort: Häkeln ist wirklich eine sehr spezielle Vorliebe.

          Julia Bähr
          Koordinatorin F+Inhalte und redaktionelles SEO.

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