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Kommentar : Viel Flugverkehr am Blocksberg

  • -Aktualisiert am

Irgendwie muss die Natur ja für die Stubenhocker zur Sensation gemacht werden. Bild: dpa

Pünktlich zur Walpurgisnacht meldet die Deutsche Flugsicherung einen Rekord an Verkehrsflügen. Der Himmel schwirrt nur so von Drohnen und Billigfliegern – harte Zeiten für Hexen.

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          Freiheit, grenzenlos, über den Wolken – ha, von wegen! Alles heiße Luft! Und dreckig bestimmt auch. Der Himmel steckt voller Drohnen und Billigflieger. Das würde ohne Regulierung nicht einmal mehr drunter und drüber gehen, was ja zumindest angestrebt wird. Denn die Wächterin über das geregelte Drunter und Drüber, die Deutsche Flugsicherung, erwartet für das laufende Jahr, einer kürzlichen Verlautbarung zufolge, einen neuen Rekord an Verkehrsflügen.

          3,4 Millionen sollen es bis Silvester werden, unkontrollierte Bewegungen wie die von Feuerwerkskörpern, verwirrtem Großgeflügel und flugpolizeilich unangemeldeten Asteroiden nicht eingerechnet. Das macht 9315 lotsenbegleitete Flüge pro Tag, also 388 pro Stunde oder knapp sechseinhalb pro Minute. Allein im vergangenen Jahr soll 88 Flügen davon beim Landen eine gefährliche Annäherung von Drohnen widerfahren sein.

          Sensation am Himmel

          Das wird noch schlimmer werden, wenn man nicht nur bei den Billigfliegern für jedes Gepäckstück extra zahlen muss und es günstiger wird, Drohnen mit der Nachsendung zu beauftragen. Im Film helfen die Drohnen bereits, teure Fahrten mit Kamerakranen einzusparen. ARD und ZDF, immer bemüht, ihre Kosten zu senken für ein hochwertiges Programm, zeigen ja kaum noch eine Naturdokumentation, worin nicht irgendwann – gern am Ende – eine Kamera per Drohne in den Himmel steigt. Irgendwie muss die Natur ja für die Stubenhocker zur Sensation gemacht werden.

          Was die Bienen von so vielen Drohnen halten, wird dabei gar nicht gefragt. Das Großgeflügel war bereits vor zweihundert Jahren vom ungefiederten Flugverkehr verwirrt. „Welchen Weg kommst du her?“ – „Übern Ilsenstein! Da guckt ich der Eule ins Nest hinein. Die macht ein Paar Augen!“, lesen wir in einem Täterinnenprotokoll des Jahres 1808, worin eine gewisse „Frau Baubo“ namhaft gemacht wird. Auch hier gilt die als Kulturpessimismus verunglimpfte Einsicht in den Lauf der Welt: Es war nicht alles gut, es wird nicht alles besser. Und da nun wieder Walpurgisnacht ist, wünschen wir allen Hexen einen zumindest unfallfreien Flug zum und vom Blocksberg. Wir bitten höflichst, die Eulen nicht zu mobben und die Luft anschließend besenrein zu hinterlassen.

          Jan Brachmann
          Redakteur im Feuilleton.

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