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Kommentar : Rudis Resterampe

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Respekt, Rudi! Oder sollten wir lieber sagen: Respekt, Herr Völler! - nachdem wir uns am Fernsehbildschirm über die letzten zwei Wochen doch arg auseinandergelebt haben? Ganz im Gegensatz übrigens zu jenen seltsam beduselt-feisten ...

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          Respekt, Rudi! Oder sollten wir lieber sagen: Respekt, Herr Völler! - nachdem wir uns am Fernsehbildschirm über die letzten zwei Wochen doch arg auseinandergelebt haben? Ganz im Gegensatz übrigens zu jenen seltsam beduselt-feisten deutschen Fans, unter die sich der ZDF-Reporter Dieter Nuhr unmittelbar vor der entscheidenden Auseinandersetzung mit den Tschechen in Lissabon gemischt hatte. Denen fiel außer "Es gibt nur einen Rudi Völler!" gar kein Schlachtgesang mehr ein, kein gutes Wort für Kahn und Konsorten, nur steter Jubel für den Teamchef. Jetzt haben sie keinen Rudi Völler mehr, und andere Leute müssen sich graue Locken über die Frage wachsen lassen, wie man aus der Misere des deutschen Fußballs wieder herauskommt. Mit Ihrer Resterampe ging es bei der Europameisterschaft konsequent nach unten, denn der Star war längst nicht mehr die Mannschaft, der Star waren einzig und allein Sie. Und das wollen Sie natürlich auch fürderhin bleiben, deshalb kam der Rücktritt vom Amt keinen Tag zu früh. Das macht Ihnen keiner nach: Immer noch, selbst nach den hilflosen Leistungen der von Ihnen auf- und eingestellten Mannschaften gegen Lettland und Tschechien, muß man den Taktiker Völler bewundern. Mit Hitzfeld sitzt der Nachfolger längst in den Startlöchern, doch noch hatte niemand Ihre Ablösung verlangt, während in den in jeder Hinsicht fußballerisch professionelleren Nationen wie Spanien, Italien oder den Niederlanden die Trainer stets in der Kritik standen - mit deutlich weniger Recht. Es ist famos, wie nun die Niederlage in Ihren persönlichen Triumph umgedeutet werden wird, weil es Ihnen gelungen sei, sich dem Schlamassel rechtzeitig und mit Würde zu entziehen. Das paßt zur Stimmung im Lande: Alle jammern, aber jeder stiehlt sich aus der Verantwortung. Wo bleibt da die Katharsis? Hätten Sie nicht den Anstand besitzen können, noch zwei Wochen auszuharren, bis die Presse Sie sturmreif geschossen hätte, um dann zornbebend den Recaro-Sitz zu räumen? Nicht einmal dieses Vergnügen Ihrer Demontage haben Sie uns gegönnt.

          apl

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