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Kommentar : Oben ohne Label

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Man muss schon wissen, dass es ein Prinz ist Bild: dpa

Glenn Close würde am liebsten heute noch Schuluniform tragen. Berliner Kinder proben jetzt den Einheitslook im Schulalltag.

          2 Min.

          Mit der Schulpflicht wurde in Preußen auch die Schuluniform eingeführt. Knapp 100 Jahre später und nach 50-jähriger Uniformabstinenz, startet nun, nach vielen Monaten der Diskussion, in Berlin ein Versuch, der wieder einheitliche Schulkleidung einführt und für Ordnung in labelsüchtigen Teeniehirnen sorgen soll.

          Zuletzt hatte SPD-Vorstandsmitglied Harald Sempf Anfang April gefordert, in Brandenburg zum Einheitslook zurückzukehren. Angela Merkel pflichtete ihm kürzlich bei. Aber diskutiert wird schon seit über zwei Jahren. Ein echtes Bedürfnis also.

          Japan erbte Schuluniformen aus Europa

          In England, Frankreich oder in Japan ist sie heute noch obligatorisch. Im Land der aufgehenden Sonne tragen Mädchen sogar bei heißesten Sommertemperaturen nachtblaue, knielange Faltenröcke, und Jungs gehen in streng gebügelten Buntfaltenhosen zur Schule. Am unbequemsten erscheinen jedoch ihre Jacketkragen, in die Plastikstreifen zur endgültigen Versteifung des Halses eingeführt und meist verstohlen auf dem Nachhauseweg in der Bahn abgelegt werden.

          Dagegen sind die Versuche in Deutschland mehr als harmlos. Von Uniform keine Spur. Kinder sollen es bequem haben. Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, hat die Zeitung selbst die Initiative ergriffen und einen Versuch an zwei Schulen veranlasst, der in wenigen Tagen startet: Mit einer Modenschau vom Kaufhof am 21. Mai. In einer Steglitzer Testschule werden sich das Warenhaus und der „Tagesspiegel“ markengerecht und medienwirksam präsentieren. Wenn das keine Labelwerbung ist.

          Alle wollen umsonst Einheitsklamotten tragen

          Dutzende von Schulen hatten sich nach einem Aufruf des „Tagesspiegel“ zum Mitmachen beworben. Zwei Anstalten machten das Rennen: Schüler der 8. Klasse am Willi-Graf-Gymnasium in Steglitz und der 10c an der Heinrich-Ferdinand-Eckert-Hauptschule in Friedrichshain. Sie werden ab nächstem Montag vom Kaufhof Alexanderplatz (Sportabteilung!) in selbst gewählte Klassen-Dresses kostenlos eingekleidet. Wie die Klamotten genau aussehen werden, bleibt bis dahin allerdings geheim. Nur soviel ist jetzt schon klar: Steglitzer wollen leger, Friedrichshainer hingegen eher elegant-klassisch im Unterricht erscheinen.

          „Bei uns gibt es voll viele Cliquen, und Aussehen ist total wichtig“, berichtet ein Mädchen aus Friedrichshain. Eine Schülerin aus Steglitz hofft, dass die Klassengemeinschaft besser wird, wenn nicht mehr so viel über Anziehsachen nachgedacht wird. Allerdings fragt sie sich, ob man sich nicht langweilt, wenn alle immer dasselbe anhaben.

          Ordnung und Gerechtigkeit statt Farben und Fantasie

          Glenn Close hatte in diesem Zusammenhang berichtet, dass sie am liebsten heute noch Schuluniform tragen würde, statt sich immer wieder Gedanken über ihr nächstes Outfit machen zu müssen. Und da haben wir das entscheidende Stichwort: Mode ist Gedankenverschwendung.

          Die Hirnmasse der Schüler soll gefälligst auf die Grundregeln der Mathematik und die Unlogik der neuen Rechtschreibung konzentriert werden. Nicht auf den bunten Tand aus Textil. Dabei fördert es unzweifelhaft kreative Kräfte zu Tage, wenn Teenies Farben und Formen selbst zusammenstellen und ihren Körper zieren müssen: Das gewagte Pink in Kombination mit lila Blütenmustern, Baggy Trousers, die unter nabelfreien Shirts auf schmalen Hüften balancieren. Auf all das sollen wir jetzt verzichten?

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