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Kommentar : Ein Freund

  • -Aktualisiert am

Braucht Willi Steul, Intendant des Deutschlandradio, neue Freunde, um sich ein Eigenheim zu finanzieren? Wie er für Wulff Partei ergreift, ist peinlich.

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          Es gibt im Deutschlandfunk eine Sendung namens "Themen der Woche". Mit diesen setzen sich samstags von 13 Uhr 10 an bekannte Kommentatoren auseinander. Da kann man die Debatte um den Bundespräsidenten selbstverständlich nicht ignorieren. Um diesen muss es wohl ziemlich schlecht stehen, wenn der Intendant des Senders höchstpersönlich vorträgt. Willi Steul ließ es sich nicht nehmen, Christian Wulff sein Vertrauen auszusprechen. "Wir" - Steul muss uns gemeint haben, denn er sprach von "Leuten" -, sollten die Kirche im Dorf lassen. Im Zentrum des Dorfes steht das speziell baufinanzierte Eigenheim des Präsidenten. Willi Steul sieht die dörfliche Idylle durch die "praeceptores germaniae" bedroht. Im Dorf des Intendanten spricht man Latein. Die Präzeptoren machten aus der Idylle einen calvinistischen Ort voller Bigotterie, einen "schrecklichen Ort zum Leben". Dabei ging es dort bisher menschlich zu. Der Bundespräsident hatte einen väterlichen Freund und dieser stand ihm fürsorglich zur Seite. Wulffs Antwort auf die Anfrage der Grünen im Landtag sei richtig gewesen. Wahrscheinlich habe sich Wulff "mit seinen Mitarbeitern sogar darüber gefreut, dass die Grünen ihre Frage so formulierten, wie sie es getan haben. So konnte er sie wahrheitsgemäß - wenn auch sophistisch - beantworten." Das sind die besten Voraussetzungen für das Amt des Bundespräsidenten. Eine Frage muss sich Steul allerdings stellen: Wird man so auch Intendant des Deutschlandfunks? Immerhin habe er sich jetzt entschuldigt - Christian Wulff natürlich. Und das auch auf Latein: mea culpa. Schließlich referiert der Intendant die Verdienste des Bundespräsidenten. Steul formuliert im pluralis majestatis, den er wohl von Amts wegen gewohnt ist: "Deutschland hat - nein, wir haben - einen Bundespräsidenten, für den wir uns wahrlich nicht zu schämen brauchen." So sehen das ganz sicher alle Mitarbeiter in seinem Haus. Niemand schämt sich für den Bundespräsidenten. Der Hausherr hat es schließlich dekretiert. "Leute - wisst ihr, was ihr da tut?" fragt Steul und beschwört die Glaubwürdigkeit des Christian Wulff, den "wir" noch brauchten. Oder braucht der Intendant den Präsidenten und dessen Freunde? Das wollen wir in unserem Dorf aber gar nicht wissen. Doch wenn Steul eine günstige Hausfinanzierung brauchen sollte, wissen wir weiter. Man muss einen Freund haben. Politische Freunde hat der Intendant Steul gewiss. Deren Vertrauen muss man sich erarbeiten. Manche greifen dann selbst zur Feder.

          flü.

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