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Kommentar : Das Kino muss auch Geschichten erzählen

  • -Aktualisiert am

Aparte Trophäe: Filmpreis „Lola” Bild: Deutscher Filmpreis / Askania Media

Was fehlt dem deutschen Film? Diese Frage drängt sich gerade diese Woche wieder auf, denn in Berlin wird der Deutsche Filmpreis verliehen.

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          Am Freitag werden in Berlin die Deutschen Filmpreise verliehen. Der Filmzuschauer fragt sich: Gab es denn Filme, die eine Auszeichnung verdient haben? Man kann von Glück reden, dass vor kurzem Christian Petzolds Dokumentarfilm „Die innere Sicherheit“ ins Kino kam.

          So wird die Auswahl nicht so schwer fallen. Zusammen mit dem „Experiment“ und dem Film „Der Krieger und die Kaiserin“ sind immerhin drei annehmbare Kandidaten beisammen. Trotzdem plagt womöglich auch den Staatsminister für Kultur, Julian Nida-Rümelin, ein Albtraum: Er steht auf der Bühne, die hübsche Trophäe „Lola“ in der Hand und muss dem Publikum mitteilen: Aus Mangel an Filmen fällt die Verleihung leider aus. Die jetzige Situation erinnert auf traurige Weise daran, dass eine Filmpreis-Verleihung gerade dadurch spannend wird, dass mehrere aussichtsreiche Kandidaten im Rennen sind und der Ausgang nicht von vornherein feststeht.

          Geldkana lgeflecht

          In Zukunft will Nida-Rümelin die Filmförderung „optimieren“, wie er in einem Interview sagt. Die Filmförderung in Deutschland ist durch die Aufsplitterung der Mittelvergabe in Länderförderungen in der Tat ein kompliziertes Gebilde. Da die Geldgeber von den Filmemachern eine Gegenleistung erwarten, führt das dazu, dass ein Film, der Mittel aus einem Land bekommt, dort auch teilweise spielen soll - ob das dem Ergebnis bekommt oder nicht. Ein Lösungsvorschlag von Nida-Rümelin wäre hier willkommen.

          Wenig überzeugend wirkt der Vorschlag, den der Filmproduzent Günter Rohrbach („Das Boot“, „Aimée & Jaguar“) im aktuellen „Spiegel“ formuliert. Rohrbach fordert den Staat auf, erfolgreiche Filme zu fördern und wenig erfolgreiche „hart zu bestrafen“. Damit will er den „Markt beleben“, wie er sagt.

          Man fragt sich jedoch, wozu ein Film, der schon erfolgreich ist, staatliche Unterstützung benötigt. Überraschend klingt auch, wie dieser Mehraufwand laut Rohrbach finanziert werden soll. Das Geld solle bei den „Neulingen“ eingespart werden, sagt der Verfasser. Aber was hat dieses Konzept noch mit Filmförderung zu tun? Rohrbach scheint es mehr um staatliche Erfolgsprämien als um die Förderung eines Films zu gehen, der interessante Geschichten so erzählt, dass sich viele Menschen für sie begeistern können.

          Geschichtenerzähltalente

          Der Laie stellt sich die Entstehung von Filmen überhaupt ganz anders vor: Ein Filmemacher hat eine Idee für eine Geschichte, die er erzählen will. Damit klappert er die Produzenten und die staatlichen Filmförderer ab und hofft, dass er jemanden von seiner Idee überzeugt. In der Erwartung, dass diese Geschichte viele Menschen interessiert, die bereit sind zwölf Mark auszugeben, um sie zu sehen, sorgt der Mentor dann dafür, dass die Geschichte auf die Leinwand kommt.

          Was, wenn es an Vorschlägen für gute Geschichten fehlt - oder an Leuten, die gute Geschichten erkennen und fördern? Dann würde auch die ausgefeilteste Fördertechnik nur Langeweile hervorbringen. Diese Frage aber sollte all jene beschäftigen, die sich aus Deutschland mehr preiswürdige Filme wünschen.

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