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Wer über Maar und Nabokov spricht, der muß auch über Papst und Thomas Mann sprechen. Über Dinge, die man wissen sollte - zumindest ab einem bestimmten Zeitpunkt.

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          Diese Glosse nimmt ihren Weg wie ein Dieb in der Nacht. Sie ist so heimlich, still und leise, daß niemand sie bemerken wird. Selbst wachere Geister als jene, die die Ehre und das Vergnügen haben, dieses Feuilleton zu redigieren und zu schreiben, Geister also, die alles lesen, alles sehen, alles hören, was sehens-, hörens-, lesenswert ist unter der Sonne, müssen gelegentlich die Grenzen ihrer Wachsamkeit eingestehen. Das fällt ihnen nicht immer ganz leicht. Uns auch nicht.

          Gleichviel, jetzt interessiert eine andere, ungleich delikatere Frage. Sie ist so delikat, daß es schon unfein wäre, sie zu formulieren. Also winden wir uns und fragen statt dessen: Darf man eigentlich auch mal etwas nicht gewußt haben? Ein Beispiel, möge es unverfänglich sein: Wer hundert Jahre vor Kopernikus glaubte, daß die Sonne um die Erde kreist, wird wohl kaum Hohn und Spott auf sich gezogen haben. Hundert Jahre nach Kopernikus sah die Sache schon anders aus.

          Nehmen wir ein anderes Beispiel, leider von höchster, von totaler Verfänglichkeit: Wer vor dem 30. Dezember des Jahres 2002 nicht wußte, daß es auffällig viele Parallelen zwischen Thomas Manns „Zauberberg“ und einem 1907 erschienenen Roman von Johannes Uhtenwoldt gibt, hatte sich nichts vorzuwerfen. Nach dem 30. Dezember 2002 sah die Sache schon anders aus. Denn an diesem Tag stellte der verdienstvolle Literaturwissenschaftler Reinhard Pabst im „Focus“ einen höchst bemerkenswerten Fund vor: „Unter Kranken und Gesunden in Davos. Die Geschichte eines Kur-Urlaubs“ von Johannes Uhtenwoldt erschien 1907, siebzehn Jahre vor dem „Zauberberg“, und beschreibt etliche Insassen eines Sanatoriums, die den Lesern Thomas Manns bekannt vorkommen müssen. Da ist ein junger Mann aus dem Flachland namens Hans, der das Skifahren erlernt, ein anderer, ein „baumlanger, breitschultriger Jüngling von frischer, gesunder Gesichtsfarbe“, sehnt sich wie Castorps Vetter Ziemßen nach dem Waffenrock, auch Settembrini und Peeperkorn treten schemenhaft hervor. „Sollten das alles nur Zufälle sein?“ fragt Pabst und legt dar, warum sich die Frage wohl nie wird eindeutig beantworten lassen: Man weiß zwar, daß Thomas Mann für seinen Roman Berge von „Arbeitsmaterial“ zusammengetragen hatte, aber erhalten hat sich von den Notizen und Exzerpten leider nichts.

          Wer bis gestern von Pabsts in einer Rezension verstecktem Fund nichts wußte: schlimm. Heute hingegen: o weh! Denn jetzt hat der Kritiker Wolfram Schütte auf einer Literaturseite im Internet Michael Maars „Lolita-Fund“ mitsamt einigen Reaktionen referiert und in diesem Zusammenhang auf Pabsts in aufsehenvermeidender Aufmachung erschienenen Artikel hingewiesen. Am Ende seines Berichts redet Schütte Tacheles: „Wenn aber jetzt von Maar und Nabokov gesprochen wird, sollten Pabst und Thomas Mann gefälligst nicht vergessen werden.“

          Dieser Forderung schließen wir uns an. Ihrer Unterstützung allein dienen diese Zeilen. Und damit eines klar ist: Wer diese Glosse nicht heimlich, still und leise gelesen oder zumindest gerüchteweise von ihr gehört hat, der soll sich eines hoffentlich noch fernen Jüngsten Tages, wenn über gelesene und ungelesene Glossen Rechenschaft abgegeben werden muß, nur nicht wieder mit seiner Unkenntnis herausreden. Nicht hundert Jahre nach Kopernikus, um wieder zu einem Beispiel zurückzukehren, das unverfänglich sein möge. Wir sehen der Attacke der geschätzten Kopernikaner gefaßt entgegen.

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