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Der Moment … : … in dem die Haare grau werden

Grau-blaue Farbharmonie: Andie MacDowell zeigt ihre neue Haarfarbe in Cannes. Bild: EPA

Auf einmal sind graue Haare überall: auf dem roten Teppich, auf Instagram und auf dem Kopf unserer Autorin. Aber wie macht man seinen Frieden mit dem Farbwechsel? Und was muss man bei grauen Haaren beachten?

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          Als ich meine ersten weißen Haare entdeckte, dachte ich an Birgit Schrowange.  Es war 2017, und die Moderatorin hatte sich gerade zum ersten Mal öffentlich mit ihrem grauen Schopf gezeigt, den sie jahrzehntelang überfärbt hatte. Schrowange hatte sogar monatelang eine Perücke getragen, um dem Fernsehpublikum nicht den Anblick ihrer herauswachsenden Haare zuzumuten. Das Medienecho war einhellig: Da traut sich jemand was! Wie mutig von ihr!

          Julia Bähr
          Audience Managerin bei FAZ.NET.

          Aber ich wollte keine mutige Frisur. Die ersten paar weißen Haare zupfte ich aus – ein Kampf, den ich nur verlieren konnte. Dann entwickelte ich eine gewisse Zuneigung zu ihnen. Weiße Haare glitzern im Licht. Damit kann man Blondinen vielleicht nicht beeindrucken, aber für eine Brünette wie mich war das ein völlig neuer Anblick. Und schließlich kam Corona. Der Lockdown änderte alles für viele Frauen und für einige Friseure. Denn plötzlich stand es nicht mehr zur Debatte, sich die weißen Haare professionell überfärben zu lassen. Wer nicht im eigenen Bad selbst experimentieren wollte, ließ sie eben rauswachsen. Daraus hat sich ein überraschender Trend entwickelt, der zuletzt bei den Filmfestspielen in Cannes deutlich zu sehen war, wo sich unter anderem die Schauspielerin Andie MacDowell ergraut zeigte.

          So sieht die Haar-Evolution bei vielen Frauen aus: Iris Berben mit dunklen Haaren, Andie MacDowell in der Verwandlungsphase und Helen Mirren mit schneeweißem Schopf.
          So sieht die Haar-Evolution bei vielen Frauen aus: Iris Berben mit dunklen Haaren, Andie MacDowell in der Verwandlungsphase und Helen Mirren mit schneeweißem Schopf. : Bild: Reuters

          Aber der Trend kommt von unten: von den Frauen, die keinen eigenen Stylisten haben, der ihnen im Lockdown das Haar hätte färben können. Im Juni veröffentlichte das Magazin New Yorker eine Fotostrecke von Frauen, die im Lockdown zu ihren grauen Haaren gefunden hatten. Die meisten hatten jahrelang gefärbt, nun wurden die grauen Ansätze immer raumgreifender, bei manchen war die künstliche Farbe nur noch in den Spitzen zu sehen. Das Grau wirkte elegant und modern. Andere amerikanische Medien zogen nach und brachten Vorher-Nachher-Fotos mit Bildunterschriften, in denen die Frauen sich erleichtert zeigten, den Stress mit dem regelmäßigen Nachfärben hinter sich gelassen zu haben.

          Das sind an sich keine guten Nachrichten für Friseure. Es sei denn, sie spezialisieren sich auf die vergrößerte Zielgruppe der Grauhaarigen. Andreas Kohlhoff hat das mit seinem Salon in Düsseldorf getan und kann berichten, wie Corona viele seiner Kundinnen zum Umdenken bewogen hat: „Wenn man so bei sechs bis zehn Zentimetern Ansatz ist, dann sagt man schon: Na ja, das ist gar nicht mal so schlecht. Und wenn man über zehn Zentimeter kommt, dann denkt man: Das ist eigentlich wirklich gut.“

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          Allerdings beginnt die Depigmentierung nicht bei allen gleich. Als ich die Veränderung lieben gelernt hatte, träumte ich davon, nach dem Lockdown mit einer weißen Strähne im sonst dunklen Haar ins Büro zurückzukehren. Wie eine Superheldin, die vom Leben gestreift wurde. Das hat leider nicht geklappt – sie wachsen vereinzelt, vor allem an den Schläfen. Das Ganze geht also eher in Richtung Salz und Pfeffer als in Richtung Superheldin. Das hängt auch mit der alten Haarfarbe zusammen, wie Andreas Kohlhoff erklärt: „Dunkelbraune bis schwarze Haare werden eher weiß. Hellere Haare werden eher mittelgrau, manchmal auch etwas scheckig. Das kann sehr gut aussehen, weil dadurch bei längeren Haaren helle Strähnen entstehen. Bei sehr kurzen Haaren ist das Bild eher gescheckt – wie ein Leopard.“

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