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Koffein : Unter Nachahmungsdruck: Finnen überholen!

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Was machen die Finnen im Winter? Sie lesen und bilden sich fort. Trittbrettfahrer werden bestraft, aber nicht in Mailand.

          3 Min.

          Zum ersten Mal erzählt eine umfassende Ausstellung in Deutschland die Geschichte des Holocaust aus Sicht der Opferschicksale. Die Idee zur Ausstellung entstand vor zwei Jahren nach eskalierenden Anschläge Rechtsradikaler im Bundesgebiet. Eine Auseinandersetzung mit dem Umgang des Holocaust nach 1945 war also an der Zeit.

          Zur Eröffnung der Holocaust-Ausstellung werden an diesem Mittwoch mehr als 1.000 Vernissage-Gäste erwartet. Vor dem Historischen Museum in Berlin wurde eigens ein Zelt für den Besucherandrang aufgestellt. Nur wenige Monaten nach der Eröffnung des Jüdischen Museums oder nur ein paar Tage nachdem die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht" in Berlin geschlossen wurde, regt diese Schau nun zu neuer historischer Reflexion an. Gezeigt wird die Geschichte der Juden in Deutschland seit dem Ersten Weltkrieg bis heute.

          Holocaust-Erinnerung ohne Kritik

          Nicht nur die Feuilletons der "Süddeutschen", des "Tagespiegels" und der "Welt" machen mit einer Einschätzung der gelungenen Sonderschau auf, die "Tageszeitung" hebt das Ereignis sogar auf seine erste Seite. Besonders beeindruckend findet Franziska Augstein von der "Süddeutschen" das Ausstellungskapitel, das sich ohne Provokationen mit der Holocaust-Ausseinandersetzung der Deutschen nach 1945 beschäftigt.

          Eckhard Fuhr erscheint in seiner Besprechung in der "Welt" hingegen etwas gelangweilt von den immer gleichen Ausstellungsstücken, die einen Überdruss-Effekt evozieren. Aber immerhin sei in einer dezentralen Gedenklandschaft, die der Opfer bisher vor allem an den Vernichtungsorten gedachte, eine noch nie dagewesene zentrale Schau gelungen, die auch das Gedenken selbst thematisiere und damit überzeugend bei sich selbst ankomme.

          Jüdische Schicksale

          Dazu passt der neue Film von Werner Herzog über das Schicksal des Juden Zishe Breitbart, der in der "Süddeutschen" und der "Welt" besprochen wird. Aber wenden wir uns den Finnen zu, denn die gilt es nun zu überholen, findet jedenfalls Antonella Mei-Pochtler, Geschäftsführerin der Boston Consulting Group in der "Tageszeitung".

          Schulische Leistungen

          In einem ausführlichen Interview gibt die 43-jährige Erfolgsmanagerin und Mutter von drei Kindern Ergebnisse eines Brainstorming preis, das das Beratungsunternehmen nach den Ergebnissen der Pisa-Studie angestellt hat. Zunächst ist es erstaunlich, dass finnische Schüler so viel besser abschneiden, obwohl sie deutlich weniger Zeit in der Schule verbringen als andere europäische Schüler. Sie gestalten ihre Freizeit eigenständiger und offenbar effizienter als etwa deutsche Teenies. Es wird gelesen und sich im Internet weitergebildet, wie Mei-Pochtler betont. So komme es beim Lernen auf drei große E an: Energie, Eigeninitiative und Engagement.

          Wer gut sein will, muss nicht nur mit Wissen vollgestopft werden - gerade da liegt der Fehler im deutschen Schulsystem - sondern vor allem mit Kompetenzen wie strategisches Denken, Überzeugungskraft, Kreativität und Kooperativität. Mei-Pochtler plädiert dafür, die besten Schulen in Deutschland in einen direkten Wettbewerb zu bringen und so den Nachahmungsdruck zu erhöhen, der das Gesamtniveau hebt. Man müsse sich ein Ziel setzen: Lasst uns innerhalb von fünf Jahren die Finnen überholen!

          Trittbrettfahrer werden bestraft

          Wie das auch geht, steht im "Tagesspiegel". Unter der Rubrik "Forschen" werden hier Ergebnisse einer Studie wiedergegeben, die gezeigt hat, dass Gruppen dann erfolgreich sind, wenn Trittbrettfahrer des Systems mit Strafen belegt werden. Ein Spiel unter 240 Studenten in vier Gruppen ergab, dass Kooperation durch strenge Regeln gefördert wird. Diejeinigen, die anfangs viel investiert haben, haben sich immer mehr an jenen orientiert, die als Schmarozer wenig in den gemeinsamen Gruppentopf geworfen haben. Schließlich wurden alle Investitionen offen gelegt, jeder durfte nun jedem ein Bussgeld auferlegen, musste aber selbst eine Gebühr dafür zahlen. Der eigene Gewinn wurde geringer durch die Strafaktionen. Dennoch griffen 84 Prozent zu diesem Mittel. Unter diesem Druck erhöhten die Trittbrettfahrer ihre Einsätze. Die Erlöse stiegen für alle, während sie ohne Bestrafung gefallen waren.

          Zum Schluss noch etwas Positives: Der amerikanische Modedesigner Ralph Lauren, berichtet die "International Herald Tribune", wird an diesem Mittwoch zum ersten Mal nach 35 Jahren seine Männermode für Country-Boys in Mailand zeigen. Er tritt damit als "Trittbrettfahrer" auf fremden Terrain in unmittelbare Konkurrenz zum smarten Giorgio Armani. Im Alter von 67 (Armani) und 61 (Lauren) sollte es dabei aber kaum noch um Nachahmungsdruck und Bestrafungen gehen.

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