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Koffein : Pakistanische Schicksale

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In Pakistan sind angeblich ehebrüchige Frauen zum Abschuss frei, berichtet „Le Monde“. Die Medienschau.

          Die afghanische Frauenministerin Sima Samar hat diese Woche ihren Rückzug aus dem Amt angekündigt. Sie fühlt sich nach eigener Darstellung von der Übergangsregierung Hamid Karzais in ihrem Bemühen um die Verbesserung der Situation von Frauen nicht ausreichend unterstützt.

          Nicht nur um Afghanistan müssen sich Menschenrechtler nach wie vor Sorgen machen. Auch im Nachbarland Pakistan ist es um die Frauen schlecht bestellt. In ländlichen Regionen seien Frauen, die sich bestimmten Sitten nicht „fügen“, in Lebensgefahr, wie „Le Monde“ berichtet.

          In diesem, wie Afghanistan von Stammesdenken geprägten Land seien „Ehrendelikte“ an der Tagesordnung, heißt es. Ihnen fielen Frauen zum Opfer, die des Ehebruchs verdächtigt würden. Hunderte von Frauen würden in Pakistan jedes Jahr von ihren Familien getötet, weil sie im Verdacht stünden, ihren Ehemann hintergangen zu haben.

          „Karo Kari“

          „Karo Kari“ heißen diese Delikte im Volksmund (“Karo“ ist der Ausdruck für eine ehebrüchige Frau, „Karo“ ist die männliche Variante“). Das „Ehrendelikt“ hat seine Wurzeln dem Bericht zufolge in präislamischen Sitten, die im Nordwesten des Landes besonders verbreitet waren und und dort bis heute beachtet werden.

          Ein einfacher Verdacht genügt anscheinend, um den Mord zu rechtfertigen. Meistens geben die Familien den Mord in Auftrag und heuern einen Auftragskiller an. Aber es soll auch schon vorgekommen sein, dass ein Vater selbst auf offenem Feld mit der eigenen Flinte seine Tochter erschossen haben soll. Nicht immer ist tatsächlich Ehebruch der Hintergrund. Manchmal hat eine Frau einfach „Schande“ über die Familie gebracht. Der Fall ist auch dann gegeben, wenn eine Tochter versucht, einem Ehe-Arrangement zu entfliehen, das die Eltern für sie getroffen haben.

          Täter ohne Reue

          Von Reue ist bei den Kindesmördern meist nichts zu spüren. Ein Anwalt sagt in dem Bericht, dass er noch keinen einzigen des Ehrendelikts beschuldigten Ehemann getroffen habe, der den Tod seiner Frau bedauert oder das Verbrechen verurteilt habe. So tief ist also der Glaube an die Gerechtigkeit eines solchen Mordes in der Bevölkerung verwurzelt.

          Es gebe aber zumindest wenige positive Entwicklungen. Die pakistanischen Zeitungen haben offenbar das Recht, die Namen der betroffenen Familien zu veröffentlichen und machen davon immer öfter Gebrauch. Immer häufiger werden Ehrendelikte auch angezeigt. Doch das alles bringt wenig, wenn die Richter im Prozessfall zunächst bestrebt sind, eine gütliche „Einigung der Parteien“ zu erzielen.

          Mitte der 80er Jahre begannen in Amerika, Prominente auf das Schicksal der afghanischen Frauen unter den Taliban aufmerksam zu machen, darunter die Frau des Talk-Show-Moderators David Letterman. Wie es aussieht, ist derlei Engagement noch lange nicht überflüssig geworden.

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