https://www.faz.net/-gqz-3vsq

Koffein : Kurt und Pete

  • Aktualisiert am

Pete Townshend hat bislang alle Krisen eines Rockmusikers überstanden. Er wirft einen mitleidigen Blick in die Tagebücher Kurt Cobains, dem es anders ging.

          „Rock 'n' Roll“, sagte Pete Townshend einmal, knapp 30 Jahre ist das wohl her, „Rock 'n' Roll ist nur etwas für frustrierte, überdrehte Kinder, und nur bei ihnen funktioniert er.“ So erklärte der Sänger und Gitarrist der legendären britischen Band The Who die Handlung seiner Rock-Legende „Quadrophenia“: den Weg eines Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen über die Rockmusik in Schizophrenie und Selbstmordpläne.

          Vor weniger als zehn Jahre hat sich ein junger Mann aus schwierigen Verhältnissen, als Rockmusiker verehrt, gerade einmal 27-jährig das Leben genommen. Pete Townshend hätte ihn verstanden. Kurt Cobain allerdings, von dem hier die Rede ist, hat Pete Townshend nicht verstanden. Im Gegenteil. In seinen Tagebüchern, die in diesem Monat weltweit als Buch veröffentlicht wurden - die deutsche Übersetzung am 28. November -, schrieb Cobain inmitten seiner Tiraden gegen die Rockmusik-Journaille: „Ich hoffe ich sterbe, bevor ich wie Pete Townshend werde.“

          „Stinking Thinking“

          Das hat er geschafft. Und der britische „Observer“ hat den so geschmähten Überlebenden gebeten, doch einen Blick in die Tagebücher des Kollegen zu werfen. Was hat er nur gegen mich?, fragt sich Townshend. Bin ich langweilig geworden? Oder zu konventionell? Nicht jung genug gestorben? Oder einfach nur alt geworden? Anfang der 90er, zur Zeit dieses Eintrags, findet Townshend, sei er weder alt noch jung gewesen, nicht tot und auch nicht langweilig. Anders als Cobain sei er - nach 30 Jahren Rockmusik - einfach abgehärtet.

          Cobain hingegen - das zumindest legten seine Tagebucheinträge nahe - sei ein durchgeknallter, depressiver Drogenabhängiger gewesen, seine Notizen nennt Townshend - selbst durchaus drogen- und rehabilitationserfahren - „stinking thinking“; der typische „beleidigte, kindliche, überreizte Drang, die Welt für all ihre Fehler anzuklagen und zu beschimpfen“. Dabei seien die Eintragungen nicht uninteressant. Nur eben schwer zu ertragen.

          „Heldenhaft bescheuert“

          „Es ist zum Verzweifeln sich zu vergegenwärtigen“, schreibt Townshend, „wie häufig die Todesfälle in der Rockindustrie verheerende Folgen haben. Wir finden es so schwer uns selbst zu retten. Dabei müssen wir uns auch noch für das Signal verantwortlich fühlen, dass ein Tod wie der Cobains seinen Fans gibt - dass es irgendwie heldenhaft sei, die Welt anzuschreien, eine Gitarre zu zertrümmern und überzuschnappen.“

          Das Buch zeige, wie der menschliche Geist sich selbst und den verwandten Seelen einen unglaublichen Schaden zufügen kann, wenn die Sucht auf den Plan tritt. „Ich trauere um Kurt“, schreibt Townshend, „um einen einstmals schönen, dann pathetischen, verlorenen und heldenhaft bescheuerten Jungen. Das ist wirklich Hardrock.“

          Weitere Themen

          Richtige Musik an richtigen Orten

          Pilgerreise ins Bach-Land : Richtige Musik an richtigen Orten

          Seit Hans-Christoph Rademann die Leitung der Bach-Akademie Stuttgart übernahm, hat er die Gaechinger Cantorey klanglich völlig umgekrempelt. Jetzt reiste das Ensemble durch die Lebensorte von Johann Sebastian Bach in Thüringen.

          Topmeldungen

          Das Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York

          Vereinigte Staaten : Zwei kubanische UN-Diplomaten ausgewiesen

          Kurz vor der UN-Vollversammlung hat Amerika zwei Vertreter Kubas ausgewiesen. Deren Aktionen seien laut Außenministerium gegen die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten gerichtet gewesen. Kuba spricht von Verleumdung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.