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Koffein : König Midas der Zeitungswelt

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Der neue Springer-Chef Mathias Döpfner führt vor, wie man kritische Interview-Fragen abschmettert.

          Medienberichterstattung hat heute einen festen Platz in fast allen großen Zeitungen und Magazinen. Nicht immer rechtfertigt der Inhalt den redaktionellen Aufwand. Oft ist Medienberichterstattung nicht mehr als Branchen-Klatsch. Manchmal aber ist Medienberichterstattung doch mehr als bloße Nabelschau. Etwa am Montagmorgen im "Spiegel", der den designierten Vorsitzenden des Springer-Verlages, Mathias Döpfner, interviewt hat.

          Döpfner ist eine eigenartige Mischung aus Glückskind und Unglücksrabe. Er erinnert ein wenig an König Midas. Alles, was er anfasst, wird zu Gold, aber dieses Gold kann niemand essen. Sein erster Chefposten war dank der Fürsprache seines Mentors Gerd Schulte-Hillen im Verlagshaus Gruner & Jahr der des Chefredakteurs der "Wochenpost".

          Aus dem in Berlin ansässigen Blatt machte Döpfner Anfang der 90er Jahre eine passable Wochenzeitung, die das Ziel verfolgte, eine anspruchsvolle Leserschaft in Ost- und Westdeutschland gleichermaßen anzusprechen. Döpfner scheiterte. Das Blatt wurde eingestellt.

          Ein vertrautes Muster

          Nach einer Zwischenstation bei der "Hamburger Morgenpost", einem Boulevard-Blatt, wechselte er zum Springer-Verlag. Sein Auftrag: die marode "Welt" publizistisch auf Vordermann zu bringen und möglichst auch aus den chronisch roten Zahlen herauszuholen.

          Bei der "Welt" wiederholte sich das Muster aus "Wochenpost"-Tagen. Döpfner kaufte mit viel Geld gute Journalisten - vor allem "Namen" - ein. Die Zeitung wurde besser, auch die Auflage stieg. Gleichzeitig nahm das Defizit immer beängstigendere Ausmaße an. Die Branche spricht hämisch von der "Döpfner-Kurve".

          Jetzt hat ihn der "Spiegel" befragt. Man erfährt, warum der Zwei-Meter-Mann trotz vieler Rückschläge erfolgreich ist. Er ist ein vollendeter Diplomat, der sich nicht aufs Glatteis führen lässt. Auch offensichtliche Probleme stellt er so da, dass er einen vorteilhaften Eindruck hinterlässt. Hat die "Welt" nicht etwas zu penetrant versucht, den Außenminister Fischer über seine Vergangenheit zu stürzen? Das sei eine Unterstellung des Kanzlers, um die "Welt" einzuschüchtern, kontert er unter bewusster Untertreibung des Einflusses, den eine Zeitung wie die "Welt" auf die öffentliche Meinung natürlich hat.

          Wie man Fragen nicht beantwortet

          Passen die zwei Zeitungen, die Döpfner jetzt zusammengelegt hat - "Welt" und "Berliner Morgenpost" - eigentlich zusammen?, fragt der Journalist. "Die "Morgenpost" kann sich ganz auf ihre Kernkompetenz, die Regionalberichterstattung, konzentrieren. Die wenigen überregionalen Seiten profitieren vom großen Korrespondentennetz der "Welt"", sagt Döpfner, ohne die Frage wirklich zu beantworten.

          Und wie steht es um die Verluste im Zeitungsgeschäft? Es habe nötige Investitionen im hohen dreistelligen Millionenbereich für moderne Drucktechniken gegeben, sagt Döpfner. "Ergebnisbelastend" hätten das Buchgeschäft sowie nicht rentable Objekte in allen Bereichen gewirkt, antwortet Döpfner - und umgeht die Antwort auf die Frage, wie das Zeitungsgeschäft denn nun rentabel werden soll.

          Schier unverwundbar

          Anders als andere Top-Manager gibt sich Döpfner nicht arrogant, und er versucht sich auch nicht in Selbstverteidigung. Er gibt sich unverwundbar. Besserwisserisch zu sein, das hat er gar nicht nötig. Auch plumpe Arroganz ist nicht sein Stil. Stattdessen weist er darauf hin, dass Misserfolge Eigenschaften hervorbringen, die in seiner jetzigen Aufgabe wichtig seien: Bodenhaftung und Demut.

          Mit vollendeter Eleganz gelingt es Döpfner, den "Spiegel"-Frager abzuschmettern. Trotzdem wird man ihn eines Tages auch im eigenen Haus daran messen, ob er mit dem "Finanzdesaster in Europas größtem Zeitungshaus" fertig wird. Als Vorstandschef des Springer-Verlages wird er Gelegenheit haben, das zu beweisen.

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