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Koffein : James Bond - auch in der Zukunft gefragt

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"007" fürchtet sich. Und doch: Arbeitslos wird er auch in Zukunft nicht sein. Das ergibt ein Blick in die Zeitungen von heute.

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          Usama bin Ladin scheint fürs erste entwischt, auch Mullah Omar hat sich dem Zugriff der amerikanischen Truppen entzogen. Haben die Geheimdienste ein weiteres Mal versagt?

          Hatte John Le Carré doch recht, als er in seinem Roman "Der Schneider von Panama" die Welt der Geheimdienste durch den Kakao zog? Hatte auch Umberto Eco recht, als er schrieb, dass Geheimagenten eigentlich nur hochbezahlte Zeitungsleser sind?

          Jetzt kann uns nur der berühmteste Geheimagent den Glauben an die überlegene Intelligenz der „Intelligence“ zurückzugeben: James Bond. Der neue Bond, so ist zu hören, soll ab Anfang Januar gedreht werden.

          Die Mannschaft für das noch titellose Werk vervollständige sich, schreibt die „Welt“. Michael Madsen ("Thelma und Louise"), Judi Dench, Bond-Girl Halle Berry und Bösewicht Rick Yune sollen mit von der Partie sein. Pierce Brosnan schlüpft noch einmal in die Rolle von 007. Und auch John Cleese ist wieder mit dabei. Der Neuseeländer Lee Tamahori ("Auf Messers Schneide") wird Regie führen.

          Enttäuschend ist hingegen die Erkenntnis, dass auch den berühmtesten Geheimagenten der Welt der Mut verlassen hat. Aus Furcht vor Terror- und anderen Anschlägen soll der Film nur in England gedreht werden. Ursprünglich hätten sich die Produzenten als Drehorte Kuba, Hawaii und Korea erträumt. Als Drehort ist laut „Independent“ der futuristische Eden-Park in Cornwall im Gespräch.

          Was Bond mit Rosamunde Pilcher verbindet

          Das ist kaum zu glauben, bezogen doch die Abenteuer von 007 einen Teil ihres Reizes stets aus den exotischen und mondänen Drehorten. Der "Independent" schreibt denn auch verwundert, dass der schöne Südwesten der britischen Insel bislang vor allem bei Deutschen beliebt sei, die dort sogenannte Rosamunde-Pilcher-Filme drehten. Angst vor Anschlägen, dann der Vergleich mit Rosamunde Pilcher - eine schlechtere Werbung könnte es für den neuen Bond nicht geben.

          In jedem Fall darf man gespannt sein, ob das Drehbuch des neuen „Bond“ auf die politische Großwetterlage reagieren wird. Die letzte Folge war geradezu seherisch. Da ging es um Ölfelder in Zentralasien. Durch die Angriffe auf das World Trade Center ist der Kampf ums Öl in Zentralasien erst viel später in die Schlagzeilen geraten.

          Wogegen wird 007 in zehn Jahren kämpfen, und welche Waffen werden ihm zur Verfügung stehen? Der amerikanische Futurologe Ray Kurzweil, der durch seine Aufsätze in der F.A.Z. auch in Deutschland bekannt wurde, skizziert unser Leben in der Zukunft heute in der „Zeit“. Glauben wir Kurzweil, dann beschleunigt sich der Fortschritt "exponentiell".

          Die Netzhaut - Bildschirm der Zukunft

          „Sehen Sie, in zehn Jahren werden wir praktisch ununterbrochen online sein, drahtlos natürlich. Das Netz wird auch immer wissen, wo wir uns befinden. Nehmen Sie an, Sie stehen in einer fremden Stadt vor irgendeinem Hochhaus. Auf Ihrer Netzhaut - oder auf Ihrem Brillenglas - wird Ihnen dann mittels eines kleinen Displays mitgeteilt, wo Sie sich befinden und welche Firmen in dem Haus ihren Sitz haben.“ Kurzweil weiter: „Sollten wir uns 2010 wieder zum Interview treffen, können wir das tun, ohne wirklich beieinander zu sitzen. Wir werden volle audiovisuelle virtuelle Realität haben. Das heißt, Sie bleiben in Ihrem Büro, sehen aber nicht Ihr Büro, sondern einen anderen Platz, an dem wir zusammenkommen.“

          Für das Jahr 2030 sagt Kurzweil voraus, dass „Rechnerkapazität im Wert von nur einem Dollar die Leistungsfähigkeit des gesamten menschlichen Hirns“ haben werde. Dann würden Mensch und Maschine eins.

          James Bond wird dann die Welt vor Maschinen-Menschen retten können. Wird 007 auch Cyber-Sex oder Zärtlichkeiten mit Maschinenmenschen praktizieren? Das sagen Kurzweil und andere der Menschheit voraus.

          Zu Bond würde das so gar nicht passen. Er wird uns am Ende seiner Filme augenzwinkernd daran erinnern, dass es auch einmal etwas wie die Vereinigung von Mensch und Mensch gab. Und viele werden ihn darum beneiden.

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