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Koffein : Invasion der Wunderkinder

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Da sage einer, dass die Zeiten nicht schnellebig sind: Mit zarten 17 Jahren schon darf man heute in einer großen Zeitung seine Biographie schildern. Oder man wird schon mit 12 zur Bestseller-Autorin.

          Keine Frage: Die Zeiten werden schnellebiger. Wer sich eben noch jung wähnte, stellt plötzlich fest, dass er schon ziemlich alt ist. Und aus manchem jungen Talent ist schon ein Star von gestern geworden, ohne dass dazwischen überhaupt eine Karriere stattgefunden hätte.

          An diesem Montag kündigt uns auf der Seite 1 der „Bild“-Zeitung ein Mann seine Lebensbeichte an, der im Grunde gar keiner ist. Daniel Küblböck nämlich, einer der letzten drei in der RTL-„Superstar“-Show, ist erst 17. In einem Alter also, in dem man einstmals das Leben erst noch vor sich hatte. Daniel Küblböck aber hat schon eines hinter sich, und was für eins.

          In „Bild“ erfahren wir die ganze Wahrheit über den exzentrischen jungen Mann, über den die meisten von uns ohnehin schon mehr wissen, als sie es jemals wollten. Und nun auch noch dies: Daniels Brille hat zwei (links) bzw. 3 Dioptrien (rechts). Er glaubt an Buddha. Vor jedem Auftritt reibt er sich den Bauch mit Aromaöl ein. Er besitzt über 100 Ölfläschchen in verschiedenen Farben, darunter eines, so Daniel, „für die weibliche Führerschaft“. Denn Daniel, und so ist der erste Teil seiner „Bild“-Biographie auch überschrieben, „war schon oft eine Frau“. Als viel Älterer, der noch kein einziges Mal eine Frau gewesen ist, kommt man sich da ganz schön langweilig vor.

          Was passiert in ihren Köpfen?

          Aber deswegen sind ja auch nicht wir im Fernsehen, sondern Daniel Küblböck. Oder auch Xaver Neuhäusler (9). Letzterer war am Samstag bei „Wetten, dass...?“ und löste mit verbundenen Augen ein Schachproblem, das wir uns nicht einmal hätten ausdenken können: Wie muss sich ein Springer auf dem Brett bewegen, dass er ein jedes Feld genau einmal beschreitet, und wie viele Varianten gibt es?

          Der „Tagesspiegel“ weiß es offenbar auch nicht, sondern umschreibt die Zahl mit dem Wort: „enorm“. Statt das Rätsel zu lösen, beschäftigt sich die Zeitung lieber mit dem Phänomen der Wunderkinder: „Wie sieht es aus in ihren Köpfen? Anders als bei uns?“

          Das wollen wir meinen, schließlich haben nicht wir das Erfolgsbuch „Das Orakel von Oonagh“ verfasst, sondern Flavia Bujor. Sie war 12, als sie die Fantasy-Geschichte niederschrieb, die zunächst ein paar Mitschüler lasen, dann deren Eltern und schließlich eine Verlegerin, die im „Focus“ mitteilt: „Ich war so beeindruckt, dass ich sofort zuschlug.“ Das Buch kam auf den Markt, fand viele Leser und wurde nicht einmal von der Kritik verrissen.

          Danke, Hirnforschung!

          „Ich habe niemandem Lektionen zu erteilen, aber ich glaube, dass Träume uns retten können - wenn man an sie glaubt“, beschreibt die Jungautorin ihr Erfolgsrezept. Glauben allein hilft freilich denen nicht weiter, die mit wenig Talent gesegnet sind. Hilfesuchend wenden wir uns noch einmal an den „Tagesspiegel“, um Gründe dafür zu finden, dass wir noch keinen Bestseller verfasst haben, nicht einmal gut Schach spielen können und sicher auch kein Superstar werden. Und wir landen bei der Hirnforschung: „Forscher vermuten, dass intelligentere Menschen beim Problemlösen nur die Nervenzellen aktivieren, die sie tatsächlich brauchen. Nebensächliches wird bereits im Vorhinein abgeschaltet.“

          Das ist für uns Normalsterbliche doch mal eine erfreuliche Definition: Es ist nicht etwa so, dass wir dümmer wären; wir können einfach nur nicht abschalten.

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