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Koffein : Gefühlte Werte

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Die „Terminator“-Darsteller reden in Interviews über gefühlte Werte. Ein neues amerikanisches Stimmungsbarometer, als Terror-Frühwarnsystem gedacht, würde wohl vor allem auf Filme dieser Art reagieren.

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          Man redet übers Wetter. Gefühlte Werte - was klingt wie ein Problem der Psychoethik, geistert seit Jahr und Tag durch unsere Wettervorhersagen. Sie sind eine amerikanische Erfindung so wie das Phantasieprodukt „Terminator“, und in Vorfreude eines dritten Films gleichen Namens, der an diesem Donnerstag in die hiesigen Kinos kommt, ist auf den Kinoseiten der Zeitungen mittlerweile von einer regelrechten „Terminator-Saga“ die Rede.

          Wenn nicht gleich Terminator Schwarzenegger selbst zu Wort kommt, wie an diesem Mittwoch endlich auch in der „Nürnberger Zeitung“, oder gleich sein neues weibliches Pendant, Kristanna Loken, in der „Märkischen Allgemeinen“. Hier wie dort redet man nicht so sehr übers Wetter, sondern über andere gefühlte Werte: Er wartet auf das Gefühl, daß Kalifornien ihn brauche, bevor sich der Schauspieler zur Rolle des Gouverneurs-Kandidaten bekennen will. Seine Gegenspielerin hingegen hat jetzt schon „das schöne Gefühl, an etwas Sehenswertem mitgearbeitet zu haben.“

          Börsenspiel

          In Amerika heißen die gefühlten Werte „Wind Chill Factor“, und distanziert beschreibt die „Süddeutsche Zeitung“ dies als den Versuch, „auch noch die subjektive Gänsehaut-Rebellion gegen die Diktatur der Daten zu vereinnahmen und zum Teil der leidigen Prognose zu machen.“ Beide Stichwörter - „leidige Prognosen“ und „Diktatur der Daten“ - könnten durchaus zu Spekulationen über die Zukunft der „Terminator-Saga“ inspirieren, wären allerdings mit dem so genannten „schönen Gefühl“ der weiblichen Hauptdarstellerin kaum vereinbar.

          Die „Süddeutsche“ allerdings spricht von den „gefühlten Werten“, um von jener wiederum amerikanischen Erfindung zu berichten, die die Ahnungen politisch oder verschwörungstheoretisch Interessierter für die Vorhersage terroristischer Bedrohungen in einer Art Börsenspiel nutzbar machen will. Die Frage ist, was man an einem solchen Stimmungsbarometer wohl ablesen kann.

          Womit wir wieder beim Film sind, bei Filmen, genauer gesagt, wie der „Terminator-Saga“ und anderen populärkulturellen Phantasien, die, in dieser Wirkung unerreicht, Zukunftsprojektionen und Gegenwartsdeutungen der düstersten Art aufgreifen, kanalisieren, illustrieren und verbreiten. Der Einfluß solcher Kunstprodukte ist seit Orson Wells' Hörspiel „Krieg der Welten“ bekannt. Jetzt könnten die Reaktionen in eine der populärsten Datenaufbereitungsmaschinen der Gegenwart eingespeist werden: die Börse.

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