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Koffein : Freundschaftsdienst: Putin, Schröder und Biolek treffen sich in Weimar

  • Aktualisiert am

Putin bei Biolek Bild: AP

Putin und Schröder auf dem „Boulevard Bio“. Was ein interessanter Abend hätte werden können, scheiterte an den Routinen und Verlegenheiten des Gastgebers.

          2 Min.

          „Wann“, wird Alfred Biolek sein Publikum im Nationaltheater in Weimar einige Male fragen, „wann hat man schon einmal die Gelegenheit, das zu fragen?“ Es ist diese Mischung aus Begeisterung und Verlegenheit, mit der der Talkmaster seine beiden Gäste eine Stunde lang durch seine Sendung „Boulevard Bio“ begleiten wird.

          Um wen es in dieser Sendung gehen soll, stellt Biolek gleich zu Beginn unmissverständlich klar, indem er den russischen Staatspräsidenten Vladimir Putin als Ehrengast seiner Sendung vorstellt, der vom deutschen Bundeskanzler begleitet werde. Worum es gehen soll, zeigt der Moderator in den ersten Minuten, in denen er - schließlich sind wir auf dem „Boulevard, nicht etwa in einer politischen Diskussion“ - hartnäckig nach der freundschaftlichen Beziehung fragt, die die beiden Männer verbinden soll.

          Veränderte Trinkgewohnheiten

          Wenn Schröder antwortet, versucht er das Gespräch ins Politisch-Inhaltliche zu lenken, Biolek hält dagegen. Wie sie einander kennen gelernt hätten, welchen Eindruck sie zunächst voneinander hatten? Ob so eine Freundschaft unter Politikern überhaupt möglich sei, schließlich vertrete man ja unterschiedliche Interessen?

          Später, inzwischen haben die drei über das Feiern, die Freundschaft, über deutsches Bier und russischen Wodka und, mit diplomatischer Behutsamkeit, über das eine oder andere politische Thema gesprochen, wagt Biolek ein erstes Resümee im Alleingang: Man könne die veränderten Trinkgewohnheiten wohl als Kennzeichen einer neuen politischen Generation sehen.

          Übliche Talk-Routinen

          Was ein persönliches Gespräch hätte werden können, krankt an der Kommunikationsform Talkshow. Wie im Nachmittagsprogramm sprechen zwei Bekannte über die gemeinsame Beziehung, ohne miteinander zu reden. Bioleks Leistung wäre gewesen, die beiden Politiker miteinander ins Gespräch zu bringen. Statt zum Initiator eines Dialogs zu werden, bleibt der Talkmaster Schaltstelle des Gesprächs. Und das hängt mit einer zweiten, womöglich konzeptionellen Schwäche des Abends zusammen.

          Bioleks Beharren auf dem Thema Beziehung, ohne dass sich die beiden Gäste in der Gesprächssituation zunächst hätten einrichten können, zeigt das Vorhaben, hier mit den Mitteln des Gesprächs eine Art Porträt des russischen Präsidenten zu skizzieren. Die Tour de force durch die biografischen Stationen (Putin als KGB-Mitarbeiter in Dresden) und politischen Felder (Beutekunst, Pressefreiheit in Russland, Tschetschenien-Konflikt) kann von einem Politiker im Amt nur in der diplomatischen Rhetorik dieses Amtes beantwortet werden. An keiner Stelle überraschte Putin etwa mit einer persönlichen Bemerkung. Durch die Glätte seiner Antworten fand Biolek dann keine Gelegenheit zur Vertiefung.

          Über die Zeit gerettet

          Bereits nach 50 Minuten gehen dem Talkmaster merklich die Fragen aus. Kurz darauf stellt er erleichtert fest, dass sich die Zeit langsam dem Ende zu neige. Wann hat man schonmal die Gelegenheit, nach dem nuklearen Koffer zu fragen, mit dem der russische Präsident zu jeder Zeit den Start einer Atomrakete auslösen können soll?

          Die Gelegenheit zu klären, worauf die in Russland gebräuchliche Anrede mit dem Vatersnamen (“Vladimir Vladimirowitsch“) zurückzuführen ist, hätte sich Biolek aber auch anderswo geboten. Putin verweist auf die russische Tradition und erklärt, diese Anrede drücke die Achtung vor der Familie des Gegenübers aus. Achtung vor seinen Gesprächspartnern lässt Biolek auch in seinem Abschiedsgruß vermissen: Er dankt Vladimir Vladimirowiscth und Gerhard Fritzowitsch für ihr Kommen.

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