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Koffein : Familienpolitik auf dem Prüfstand

  • Aktualisiert am

Der Bundestag debattiert über Familiengeld, Kinder und Ehefrauenkarrieren. Die Feuilletons diskutieren mit.

          2 Min.

          Wie ist der Wunsch von Frauen, in ihrem Beruf zu arbeiten, mit der Gründung einer Familie zu vereinbaren? Das war eine der zentralen Fragen in der Bundestagsdebatte zur Familienpolitik der Zukunft in Deutschland. Die CDU/CSU plant ein Familiengeld in Höhe von 600 Euro pro Monat und Kind. Traditionelle Werte werden hervorgehoben. Das rot-grüne Bündnis fordert Ganztagsbetreuung für den Nachwuchs, damit sich alle Familienmitglieder frei entfalten können.

          In einem muss man den Befürwortern der Ganztagsbetreuung recht geben: Wer in einer individualisierten Gesellschaft Familien fördern will, der muss allen ihren Mitgliedern die Chance geben, sich zu entfalten. Hier sorgt die Ganztagsbetreuung für mehr Chancengleichheit von Frauen. Der „Tagespiegel“ in Berlin tritt einen Schritt vor und einen zurück: Er informiert darüber, wie man sich heute überhaupt erst einmal kennen lernt, bevor man eine Familie gründet.

          Im Internet findet mancher, was er sucht

          Trotz der fast 50 Prozent Singlehaushalte in deutschen Großstädten ist das Bedürfnis nach Zusammengehörigkeit enorm. Die Wege dorthin werden immer zielgerichteter. Längst geht man ins Internet, um seine Chancen jemanden kennen zu lernen zu optimieren. Online-Partnerschaftsvermittlung ist der Renner dieses Frühjahrs. Die Kollegen vom „Tagespiegel“ haben sie geprüft. Für 110 Euro ist man sechs Monate Mitglied einer Hamburger Vermittlungs GmbH - die als Start-up übrigens schwarze Zahlen schreibt. Beim Eintritt muss, wer einen Partner finden will, 100 Fragen beantworten. Den Rest macht das System allein. Unter 600.000 Angemeldeten kommen E-Mails von Leuten, die so ähnlich ticken. Ein paar reichen schon. Man mailed hin und her und verabredet sich. Barbara und Thomas haben gleich geheiratet. Und dann?

          Bedürftigkeit muss vor dem Anspruch stehen

          In der „Tageszeitung“ liest man, wie es weiter gehen kann und wie es bei vielen längst weiter geht, die die konventionelle Kleinfamilie für überhohlungsbedürftig halten und soziale Innovationspolitik statt Familienpolitik befürworten. Konstruktive Vorschläge in diesem Beitrag sind, dass der Familiengedanke hinter den Individualitätsgedanken, der in unserer Gesellschaft dominant ist, zurücktritt. Jeder, der bedürftig ist, sollte vom Staat Unterstützung bekommen. Wer das nicht ist, bekommt auch nichts.

          Das heißt in der Praxis, Kindergeld nur für die, die es brauchen und nicht für die, die Anspruch darauf haben. Eine gerechtere Verteilung also. Wie die Menschen zusammen leben, ob sie in Homo-Ehen oder mit ihrem Hund in einem Bauwagen, in einer Sozialistischen Selbsthilfegruppe in Köln oder mit ihrem im Internet kennengelernten Neupartner nach Lebenswegen suchen, sollte nicht Sache des Staates sein.

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