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Koffein : Ein Scheitern, das alle freut

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Warum die Verlobung zwischen dem Axel-Springer-Verlag und dem Schweizer Ringier-Verlag nicht zustande kam.

          Die Absage einer Fusion kam von Ringier. Aber das Interesse war auch beim Verlag Axel Springer erlahmt: Über das Scheitern des Plans, der den größten Zeitungskonzern in Europa geschaffen hätte, sind beide Häuser offenbar nicht traurig, so dass das trauten Einvernehmen, von dem die gemeinsame Erklärung der Verlage spricht, wohl zutrifft.

          Solange der Verbleib von Leo Kirchs einstigem Vierzig-Prozent-Paket ungeklärt war, musste dem Chef des Springer-Konzerns, Mathias Döpfner, der Schweizer Marktführer im gleichen Pressesegment, Michael Ringier, weniger als idealer Partner denn als idealer Nothelfer erscheinen. Der Preis, den dieser dafür gezahlt hätte - so mochte es Außenstehenden von Beginn an scheinen -, war aber ausgesprochen hoch: die eigene Unabhängigkeit durch eine Fusion aufgeben, mit der man zwar die Nummer eins in Europa, aber zugleich die Nummer zwei im eigenen Haus gewesen wäre. Der Gewinn einer solchen Operation wäre allenfalls ein langfristiger gewesen.

          Bei Springer war der Druck genommen

          Beim Springer-Verlag war der Druck genommen, seit Friede Springer ihre Anteile am eigenen Konzern auf bequeme 55 Prozent erhöhen konnte. Die übrigen Anteile sollen jetzt von der Deutschen Bank breit gestreut und nicht gezielt an Anleger aus dem Mediengeschäft vergeben werden. In der augenblicklichen Lage der Branche kein leichtes Unterfangen. Springer selbst will, wie zu hören ist, dem Ringen mit Kirch kaum entronnen und die Fusion mit Ringier, jetzt wieder eine größere Rolle im Fernsehen spielen und neben dem im Bauer-Verlag die Nummer zwei bei Pro-Sieben-Sat.1 werden. Dort ist Springer über eine eigene Gesellschaft mit 11,5 Prozent beteiligt, will aber entweder ausgezahlt werden oder (und das am liebsten) die Anteile auf 28 Prozent aufstocken.

          Womit die Sendergruppe - die sich das Leben selbst schon schwer genug macht - im 20. Jahr des deutschen Privatfernsehens wieder angelangt wäre, wo alles begann: beim Verlegerfernsehen. Jener von widerstreitenden Interessen geprägten Phase also, die wir eigentlich schon längst zu den Akten der TV-Geschichte gelegt haben.

          Wie es aussieht, sollen Sat.1, Pro Sieben und die anderen aus den Kinderschuhen niemals herauskommen. Dem Marktführer RTL, der sich mit n-tv unlängst einen eigenen Nachrichtensender gekauft hat, wird es gefallen. Springer hat die Fusion mit Ringier nicht mehr gebraucht. Doch ob Bauer nicht auch auf Springer wird verzichten können? Als Partner im Sinne von Brüdern im Geiste empfehlen sich die Konzerne doch offenbar nicht in erster Linie.

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