https://www.faz.net/-gqz-6plxw

Koffein : Ein Hoch auf die BBC

  • Aktualisiert am

Die BBC verdient Lob für ihr ausgezeichnet sachliches Programm. Die russische Medienpolitik verdient kein Lob.

          Die gute Nachricht zuerst. „Was die Menschen wirklich wollen ist Qualität.“ Diese Einschätzung erreicht uns heute von der „Times“. Der Hintergrund: Der BBC World Service - ein Radio- Informationsprogramm in 43 Sprachen - hatte im letzten Jahr zwei Millionen Zuhörer mehr als im Jahr davor und kommt jetzt auf die stattliche Zahl von 143 Millionen Zuhörern weltweit. Die Zeitung feiert das als Sieg des gehobenen Informations-Programms über das Infotainment. „Die Leute wollen vor allem eins - gut informiert sein“, heißt es da.

          Jetzt die schlechte, aber nicht unerwartete Nachricht: Seit 1992 habe die BBC „andere internationale Sender wie Voice of America und die Deutsche Welle“ hinter sich gelassen. Natürlich lässt sich einwenden: Die BBC hat eine viel längere Tradition im Weltradio. Die BBC macht seit der Erfindung des Kurzwellen-Radios tatsächlich das beste, weltläufigste Informations-Radio der Welt.

          Über den Kanal

          Trotzdem fragt man sich, ob die Macher der Deutschen Welle und nicht nur die - vielleicht auch die Macher von ARD und ZDF - nicht mal einen Blick über den Kanal werfen können. Denn auch das Fernsehprogramm von BBC World ist vorbildlich. Es verzichtet auf alle schrillen Töne und setzt ganz auf Sachlichkeit. Manchmal sitzen einfach nur Herren beisammen und unterhalten sich zivilisiert über Fragen der Weltpolitik. Man nimmt aus diesen Gesprächen das Gefühl mit, dass es komplexe Probleme gibt, bei denen nicht jeder von sich behaupten kann , die bessere Lösung zu haben. Wer BBC schaut, lernt Demut vor den schwierigen Fragen unserer Zeit.

          Anders als bei CNN wird das Programm nicht dauernd von Lobpreisungen der eigenen Wichtigkeit - sprich: Trailern - unterbrochen. Nicht, dass das Fernsehen nur noch aus gediegenen Gesprächen und Understatement in der Präsentation bestehen sollte. Aber gerade dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen würde etwas mehr BBC und etwas weniger RTL gut zu Gesicht stehen.

          Unter Geiern

          Kummer macht derweil das russische Fernsehen. Mit präsidialer Rückendeckung wurde die gesamte Führungsriege des letzten kritischen Fernsehsenders NTW abgesetzt. Der prononcierte Kreml-Kritiker Wladimir Gusinski wurden entlassen und durch den linientreuen Gasprom-Verteter Alfred Koch ersetzt. Die handstreichartige Übernahme von NTW durch regierungstreue wenn nicht gar -hörige Mehrheitseigner droht die letzte Bastion kritischer Berichterstattung in Russland zu schleifen. Von der Pressefreiheit wäre dann nur noch wenig übrig. Proteste aus dem Ausland werden wohl nicht ausbleiben. Jetzt wäre etwa der Medienbeauftragte der OSZE, Freimut Duve, gefordert.

          Weitere Themen

          Hoffnung im Angesicht der Apokalypse Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Endzeit“ : Hoffnung im Angesicht der Apokalypse

          Blutverschmierte Münder, abgehackte Gliedmaßen und Non-Stop-Action – so kennt man als geneigter Zuschauer das Zombiefilm-Genre. Wie sich der deutsche Film „Endzeit“ dagegen abhebt und warum man gerade als Nicht-Zombie-Fan den Gang ins Kino wagen sollte, erklärt F.A.Z.-Redakteur Andreas Platthaus.

          Ist das Kulturfunk, oder kann das weg?

          Zerschlagung von hr2 : Ist das Kulturfunk, oder kann das weg?

          Der Hessische Rundfunk „reformiert“ seine Radiokulturwelle hr2. Aus einem kulturellen Vollprogramm wird eine Abspielstation für klassische Musik. Informationsbeiträge entfallen weitgehend. Was halten Kulturschaffende davon? Wir haben nachgefragt.

          Topmeldungen

          Premierminister bei Merkel : Johnson beharrt auf Ende des Backstops

          Johnson und Merkel zeigen sich optimistisch – dennoch belegt der Backstop die Schwierigkeiten des Treffens. Schon vorher hatten Finanzminister und Bundespräsident dem Premier die kalte Schulter gezeigt.
          Luftbildkamera der NVA im Stabsgebäude über dem Eingang zum DDR-Atombunker Harnekop nordöstlich von Berlin

          Mauerfall-Debatte : Warum ticken die Ossis so?

          Der Zuspruch der AfD im Osten hat seinen Ursprung nicht zuletzt in der DDR. Weil Ostdeutsche jahrzehntelang einem Klima der Lüge und der Demütigung ausgesetzt waren. Ein Gastbeitrag.

          Soli und Negativzinsen : Die Koalition der Verzweifelten

          Der Soli wird zur verkappten Reichensteuer. Zudem entdeckt die Koalition jetzt auch noch den Sparer und will Negativzinsen verbieten. Wetten, dass das weder CDU noch SPD hilft?
          Bugatti Veyron auf einer Automesse – Das Modell war auch bei den von Schweizer Behörden gesuchten Verdächtigen beliebt

          Milliarden-Raub : Verdächtige lebten in Saus und Braus

          Internationale Kriminelle haben den Staatsfonds von Malaysia ausgeraubt. Schweizer Ermittler sind den veruntreuten Milliarden auf der Spur – ein Krimi, der von einem mysteriösen Araber handelt und von superschnellen Luxusautos.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.