https://www.faz.net/-gqz-6q0wl

Koffein : Bajuwarischer Frauengipfel

  • Aktualisiert am

Karin Stoiber und ihre Tochter im Gespräch: Die „Zeit“ versucht sich als Familientherapeutin.

          2 Min.

          Wir wissen nun, was Edmund Stoiber unter Familienpolitik versteht. Konservative Parteifreunde und andere Zeitgenossen, die mit dem Lebensmodell Frau Reiches ein Problem haben, möchten sich, so der Bundeskanzlerkandidat, bitte schön an ihn selbst wenden. Noch aufschlussreicher aber wäre möglicherweise eine Anfrage bei Stoibers Familie. Was dabei herauskommt, lässt sich in der heutigen Ausgabe der „Zeit“ nachlesen.

          Ist dies der Versuch, den Konkurrenten in die Parade zu fahren? Just an jenem Tage, da sich Stoiber und Schröder in Springers Kaminzimmer zum Gesprächsduell bei „Bild“ und „Bild am Sonntag“ begegnen, präsentiert die „Zeit“ ein Gipfeltreffen ganz anderer Art. Da Stoiber selbst schon anderweitig beschäftigt war, befragen sie an seiner Statt Frau und Tochter: die bayerische und womöglich bald unser aller Landesmutter Karin (58) und ihre älteste Tochter Constanze (30), die nach einer Heirat den Namen Hausmann trägt.

          Das emotionale Intelligenzblatt

          Reinhold Beckmann, der seit einigen Monaten für die „Zeit“ eine seltsame Kolumne schreibt, wird sich ganz schön ärgern. Eigentlich wollte er in seiner ARD-Talkshow mit Edmund Stoiber sowie seiner Tochter plaudern, die dann aber lieber zu Biolek gingen. Und nun macht ihm auch noch die befreundete Zeitung Konkurrenz: Was Moderatoren wie Beckmann im Fernsehen vormachten, nämlich das journalistische Interview durch eine öffentliche Gesprächstherapie zu ersetzen, versucht die „Zeit“ nun in der Presse zu etablieren - und sich selbst, die kühle hanseatische Intellektuellenzeitung, als emotionales Intelligenzblatt neu zu definieren.

          Das Problem ist nur: Bei Stoibers gibt es nichts zu therapieren. Im heimeligen Münchner Prinz-Carl-Palais üben sich Mutter und Tochter im gepflegten, harmonischen Plausch, in welchem der Vater - eine neue, raffinierte Strategie in dessen Charme-Offensive? - überhaupt nicht auftaucht. Statt über den abwesenden Herrn St. sprechen die Damen ausschließlich über sich selbst - über „ihr Verhältnis zueinander“ sowie, wie die „Zeit“ vollmundig ankündigt, „Rebellion und unerfüllte Sehnsüchte“.

          Ein Bummel durch Bad Tölz

          Wer nun in gespannter Erwartung im Interview nach der Antwort sucht, was für ein Verhältnis wohl Mutter und Tochter zueinander haben, der mag sich enttäuscht fühlen: ein ausgesprochen gutes nämlich. Wer hätte das gedacht? Die investigativste Frucht, die die beiden „Zeit“-Fragerinnen ernten, ist die Erkenntnis, dass Frau Stoiber sich die Haare färbt. Ansonsten bekennt sie sich zum konservativen Dresscode, fährt in „spontanen Momenten“ zum Bummeln nach Bad Tölz, und wenn sie sich „mal richtig gehen“ lässt, dann - liest sie.

          Tochter Constanze wiederum schlägt keineswegs aus der Art. Sie hat sich zwar mal in der Schule so ausgiebig mit Jungs befasst, dass ihre Noten litten, von Drogen aber die Finger gelassen. Sie war ja auch, wie sie sagt, „ein relativ braves Mädchen“. Wilde Partys im elterlichen Eigenheim aber schlossen sich auch von vornherein aus: „Das hätten die Sicherheitsbeamten ja sofort mitgekriegt.“ Glücklich, wer wie die Stoibers auf solche Erziehungshilfen zurückgreifen kann.

          Wo bleibt Schröder?

          Wir sind gespannt, ob die „Zeit“ ihr neues Gesprächforum dauerhaft im Blatt zu etablieren gedenkt - und aus welchen spannungsreichen Paarungen sie dann Funken schlagen möchte. Ein Zweiergespräch vielleicht zwischen Harald Schmidt und Manuel Andrack? Zwischen Maria und Margot Hellwig? Siegfried und Roy? Joffe und Naumann?

          Überhaupt Naumann: Noch gespannter natürlich sind wir, wie der „Zeit“-Herausgeber und -Chefredakteur seinen alten Spezi Gerhard Schröder für die Stoibersche Familienparty entschädigen wird. Wer weiß: Vielleicht lädt die „Zeit“ für ihre nächste Ausgabe ja die bisherigen vier Frauen Gerhard Schröders ein. Damit sie sich mal so richtig aussprechen können.

          Weitere Themen

          Ärger um den Semperopernball

          Umstrittene Ehrung für El-Sisi : Ärger um den Semperopernball

          Der Chef des Semperopernballs hat dem ägyptischen Staatschef El-Sisi einen Preis verliehen. Das trug ihm heftige Kritik ein. Nun könnte der Ball platzen, die Moderatoren Judith Rakers und Roland Kaiser drohen mit Absage. Was wird jetzt?

          Topmeldungen

          Israels Präsident Reuven RIivlin spricht am Mittwoch im Deutschen Bundestag.

          Rivlin im Bundestag : „Die Verantwortung ist enorm“

          Israels Präsident bezeichnet Deutschland als „Leuchtturm“ für den Schutz liberaler Werte. 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz gelte es, Europa gegen Nationalismus, Fremdenhass und Antisemitismus zu verteidigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.