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Kölnische Vendetta : Palermo, Colonia

Die Mafiosi sind immer die anderen: Vor einem Jahr trennte sich die Oper Köln von ihrem Intendanten Uwe Eric Laufenberg. Nun schlägt er zurück und zwar mit einem Schlüsselroman.

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          Das Buch erscheint erst morgen und zunächst auch nur - „Einstiegspreis“ 4,99 € - als E-Book, doch in Köln hat es bereits ein kleines Erdbeben und großes Kopfschütteln ausgelöst. Denn die Stadt, die sich gerne die nördlichste Italiens wähnt, sinkt darin ganz tief und wird zur südlichsten.

          „Palermo“ nennt der vor einem Jahr im Unfrieden geschiedene Opernintendant Uwe Eric Laufenberg - demnächst in Wiesbaden, das sich auf einen Nachtreter freuen darf - seinen Schlüsselroman, in dem es, kaum verschlüsselt, um die alte Colonia, ihr Kulturleben und ihr Musiktheater geht. Schon das Cover drückt es dem Leser aufs Auge: Die angeschrägten Außenseiten des Bühnenturms mit ihren rostzerfressenen Fensterrahmen und Geländern stehen bildmächtig und pars pro toto für die hier herrschende Verkommenheit.

          Vendetta in Buchform

          „Einst war sie ein Haus von Weltruhm, mittlerweile ist sie marode und unbedeutend“, weiß der Klappentext über die Oper, und „als Tommaso Moncorrente ihre Leitung übernimmt, erfüllt sich sein Jugendtraum: An diesem Ort sollen Menschen verzaubert und beglückt werden.“ So weit, so gutgemeint, doch nach drei Jahren mit Kunsterfolgen und Etatkürzungen stand Laufenberg vor einem Scherbenhaufen, und so lässt er seinen Helden mit dem sprechenden Namen in „Palermo“ gegen einen Berg von Widerständen laufen, bis der sich „in einem Geflecht aus Intrigen und politischen Machenschaften“ verfängt.

          Die Mafiosi sind immer die anderen, und weil der cholerisch veranlagte Ex-Intendant glaubt, noch mit so vielen Künstlerkollegen und Kulturbanausen, Parteibonzen und Pappnasen, die ihm in die Quere kamen, Rechnungen begleichen zu müssen, hat er sich als Romancier versucht: Vendetta, sizilianisch maskiert.

          Burlesk verfremdet, wie der Autor seine Abrechnung auf dreihundertfünfzig Seiten ausbreitet und dabei den lokalen Pressemogul, wo der im Volksmund doch „Berlusconi von Köln“ heißt, zu „Alfredo Castel del Monte“ adelt und nicht nur bei Bibiana Cacciatori alias Schauspielintendantin Karin Beier oder Silvia Rossi alias Nachfolgerin Birgit Meyer unter die Gürtellinie schlägt, gibt Laufenberg ausgiebig Anlass, an seinem Kunstverständnis zu zweifeln. Ein ungeschriebenes Gesetz der Mafia zu befolgen hätte ihm stattdessen zur Ehre gereicht: Omertà, das heißt Klappe halten.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

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