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Berühmte Philosophinnen : Im Kopf von Simone, Ayn und Hannah

Hannah Arendt um 1940 Bild: akg-images / Fototeca Gilardi

„Feuer der Freiheit“ ist ein erfolgreiches Buch, das in diesem Jahr unter vielen Weihnachtsbäumen liegen wird: Vier Frauen retten darin die Philosophie in Zeiten des Krieges. Warum beginnt man dennoch, dem Autor zu misstrauen?

          5 Min.

          Es beginnt damit, dass Simone de Beauvoir 1943 im zweiten Stock des Café de Flore in Paris sitzt. Von ihrem Ecktisch aus sieht die französische Schriftstellerin und Philosophin – sie ist Mitte dreißig – den Passanten nach. Und sie ist nicht allein. Der Philosoph Wolfram Eilenberger ist bei ihr. Er versetzt sich in sie hinein, er fühlt mit ihr, ist in ihrem Kopf und rekonstruiert aus überlieferter Rede und gedruckten Schriften, was sie gedacht haben könnte in genau diesem Augenblick, den er beschreibt. Ein Augenblick, den es im Leben der Simone de Beauvoir gegeben hat oder gegeben haben könnte, das bleibt im Ungefähren: „Da liefen sie. Die anderen. Jeder und jede ein eigenes Bewusstsein. Unterwegs mit ihren ganz eigenen Ängsten und Sorgen, Plänen und Hoffnungen. Genauso wie sie auch. Als nur eine unter Milliarden. Ein Gedanke, der ihr jedes Mal wieder einen Schauer über den Rücken jagte.“

          Julia Encke

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Nie zuvor, wird uns versichert, habe Beauvoir sich im Nachdenken so sicher und frei gefühlt wie jetzt, im Frühling des Jahres 1943, auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs, inmitten einer besetzten Stadt. Für den Herbst desselben Jahres war ihr erster Roman, „Sie kam und blieb“, angekündigt. Ein weiterer lag fertig in der Schublade. Zusammen mit Jean-Paul Sartre hatte sie einen „neuen Stil des Philosophierens“ geschaffen und „einen Liebespakt der besonderen Art“: „unbedingte geistige Treue und Ehrlichkeit – bei gleichzeitiger Offenheit für weitere Anziehungen“. Draußen war Krieg, der Totalitarismus auf dem Höhepunkt, aber bei Simone de Beauvoir ist, so unwahrscheinlich das auch klingen mag, Aufbruchstimmung. Es ist „die geistige Ernte eines ganzen Jahrzehnts“. Und nicht nur bei ihr. Auch die französische Philosophin Simone Weil, Hannah Arendt und die amerikanische Schriftstellerin Ayn Rand, alle drei Jüdinnen, haben – das ist Wolfram Eilenbergers These – unabhängig voneinander ihre Visionen „im Angesicht der Katastrophe“ entwickelt. Also sieht der Philosoph sich auch die anderen von ihm ausgewählten Denkerinnen von innen und außen an, spricht über sie und durch sie hindurch, um sie uns näherzubringen.

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