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Gina Thomas (G.T.)

Royal Horticultural Society : Garten-Armee

  • -Aktualisiert am

Vegetation statt Asphalt und Beton: So soll es werden. Bild: ZB

Die britische Royal Horticultural Society erinnert in ihrem Aufruf, ökologischer zu gärtnern, an eine Kampagne aus dem Zweiten Weltkrieg. Deren Slogan lautete damals: „Dig for Victory“.

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          Feurig rote Winteraster, weiße Malven, violetter Wald-Storchschnabel und blaue Jungfern im Grünen; dazwischen bunte Petunien, Argentinisches Eisenkraut und sogar ein Büschel Basilikum: Es ist eine Farbenpracht wie auf einem der Blumengemälde von Klimt oder Monet, bloß dass es sich hier um eine Baumumrandung vor einem edwardianischen Wohnblock im Westen Londons handelt. Ein Bewohner der oberen Stockwerke hat den Fleck erobert und pflegt ihn liebevoll.

          Wie in deutschen Metropolen ersetzen solche Blumeninseln, mit denen gartenlose Stadtbewohner die Illusion von Natürlichkeit gestalten, auch in London vermehrt mit Asphalt oder Epoxy-Kies abgedeckte Baumscheiben. Wenn es nach der Royal Horticultural Society ginge, sollte jeder der geschätzt dreißig Millionen Gärtner des Königreiches Steinplatten und Gartenbeton aufreißen und stattdessen Bäume und bienenfreundliche Pflanzen setzen. Die 1804 gegründete Gartenbaugesellschaft hat soeben einen großen Aufruf lanciert, mit dem sie die „gärtnernde Armee“ im Kampf gegen den Klimawandel zu mobilisieren hofft. Und wie so oft in diesem Land wird die „größte Stunde“ der Nation im Zweiten Weltkrieg beschworen, als die ganze Bevölkerung in der „Dig for Victory“-Kampagne des Landwirtschaftsministeriums aufgerufen war, Blumenbeete in privaten Gärten und öffentlichen Parks zum Anbau von Obst und Gemüse umzufunktionieren.

          Blumen ziehen statt kaufen

          Laut einer Umfrage wenden nur neunzehn Prozent der britischen Gärtner heute nachhaltige Methoden an. Vierzig Prozent nutzen immer noch mit fossilen Brennstoffen betriebene Gartengeräte. In einem Plan zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen und Förderung der Biodiversität empfiehlt die Royal Horticultural Society unter anderem, auf elektrische Energie umzusatteln. Jeder gekaufte Blumenstrauß setze 7,9 Kilogramm Kohlenstoffdioxid frei, weshalb zum Anbau eigener Schnittblumen angehalten wird. Die Kehrseite des ökologischen Landbaus bekamen die Menschen nahe eines Adelssitzes bei Cirencester unlängst zu spüren, als der Wind in die falsche Richtung blies und den an faulen Fisch und Ammoniak erinnernden Gestank der Biofeststoffe verbreitete, die zur Düngung der Felder eingesetzt worden waren. Die Mitteilung der Royal Horticultural Society, dass sich eine halbe Million Häuser mit dem Gegenwert an Kohlenstoffdioxid heizen ließen, der gespart werden könnte, wenn jeder die von Selbsterzeugern jährlich produzierte Kompostmenge von durchschnittlich 190 Kilo im Jahr nicht im Laden besorgen würde, dürfte manchen den Gestank erträglicher machen.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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