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Vergessenes Extremwetter : Uns fehlt eine Erinnerungskultur für Naturkatastrophen

  • -Aktualisiert am

Wer erinnert sich noch daran? Wassermassen am Lech-Wehr im oberbayerischen Landsberg im Jahr 1999. Bild: Picture-Alliance

Die Flutkatastrophe hat so niemand kommen sehen: So hoch habe das Wasser noch nie gestanden, so plötzlich sei es noch nie gekommen. Ein Plädoyer für umweltgeschichtliche Warnhinweise.

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          Die Äußerungen von Betroffenen und politisch Verantwortlichen in den Hochwassergebieten Deutschlands stehen in einer langen historischen Tradition: Niemand habe sich so etwas vorstellen können, so hoch habe das Wasser noch nie gestanden, so plötzlich sei es noch nie gekommen. Bis in den Wortlaut gleichen diese Aussagen dem, was im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Chronisten nach entsprechenden Ereignissen niederschrieben; heute fehlt freilich der Hinweis auf Gottes Zorn in der Berichterstattung. Randständige Kommentatoren verweisen mit der Absicht, den anthropogenen Klimawandel in Abrede zu stellen, auf die Hochwasser der Ahr 1804 und 1910, die vielleicht ähnliche Dimensionen hatten. Es aber dabei bewenden zu lassen, verkennt vorsätzlich den Zusammenhang der Genese und zunehmenden Häufigkeit von extremen Wetterereignissen mit dem Klimawandel, den bald die Attributionsforschung ausleuchten wird; auch die infrastrukturelle Anpassung wird noch viel später – wenn überhaupt jemals in angemessener und machbarer Weise – realisiert werden können.

          Tatsächlich fehlt im öffentlichen Bewusstsein eine lange umwelthistorische Perspektive, die gefährdete Räume auch dann kenntlich macht, wenn sie über Jahrzehnte und Jahrhunderte nicht mehr von Katastrophen heimgesucht wurden. Es gibt keine echte Erinnerungskultur für meteorologische Extremereignisse jenseits der Hamburger Sturmflut 1962. Denn wer kennt schon lokale oder überregionale Wetterkatastrophen, die älter sind?

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