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Klimahysterie im Ersten : Wir müssen gezwungen werden!

Weiß, was uns fehlt: ARD-Hauptstadtkorrespondentin Kristin Joachim. Bild: ARD-Hauptstadtstudio/Tanja Schni

Von der ARD lernen heißt, gehorchen lernen. Den Eindruck bekommt man, wenn man abends die „Tagesthemen“ einschaltet oder morgens das Radio. Da werden Vorschriften gemacht, dass es nur so kracht.

          Als im Frühjahr publik wurde, dass die ARD ihre Mitarbeiter von der Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling anhand eines „Framing-Manuals“ beschulen lässt, das lehrt, wie man den eigenen Standpunkt moralisch überhöht und den von Andersdenkenden moralisch abwertet, war einer der Kritikpunkte, dass sich in diesem Papier ein totalitäres, diskussions- und demokratiefeindliches Denken ausdrücke.

          „Von uns, mit uns und für uns geschaffen“ sei die ARD, war in der mit insgesamt 120.000 Euro (inklusive Schulungskurse) dotierten Ausarbeitung zu lesen und dass der Senderverbund „einzig und allein für uns“ existiere.

          Da mag es für derart Geschulte naheliegen, nicht nur zu wissen, was gut für uns ist, sondern uns auch vorzuschreiben, was wir tun und was wir lassen sollen. Kristin Joachim zum Beispiel, Korrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio, weiß, wie sie im „Tagesthemen“-Kommentar in der vergangenen Woche sagte, dass Fliegen teurer werden müsse. Unter anderem, damit sie gar nicht erst auf die Idee komme, statt für neunzig Euro mit dem Zug für 27 Euro mit dem Flieger von Berlin nach Köln zu reisen.

          Wir wissen zwar nicht, wo Kristin Joachim die 27-Euro-Buchung gefunden hat. Aber wir wissen schon, dass sie mit dem Hinweis, Fliegen sei kein Grundrecht, etwas kurz springt, wenn sie ihre Städtetour mit dem Familienurlaubsflug nach Mallorca verrührt. Sollte es sich bei ihr am Ende noch um eine Dienstreise handeln? „Liebe Bundesregierung“, lautete ihr Fazit, „macht das Fliegen teurer.“

          Damit war die ARD-Korrespondentin schon auf halbem Weg zu den Ausführungen, mit denen der Volkswirt Niko Paech die Hörer des Deutschlandfunks am Montagmorgen begrüßte. Er rief zu einem „Aufstand der Handelnden“ auf, womit er meinte, sich dem „Steigerungswahn“ zu verweigern. Wollte eine CO2-Steuer wirksam sein, so Paech, müsste sie den Menschen nicht nur Urlaubsflüge, sondern auch den „Fleischkonsum, den Wohnraum, das Autofahren und den übermäßigen Konsum madig machen“.

          So etwas sagt sich für einen außerplanmäßigen Professor der Pluralen Ökonomik an der Universität Siegen, der im Namen des Klimaschutzes im Vorübergehen das Wirtschaftssystem erledigt, sicherlich etwas leichter als für den Amazon-Paketboten von nebenan. Nur hat der Wachstumskritiker Paech, auf zarte Nachfrage hin, wenigstens noch im Sinn, dass er eine Minderheitsmeinung vertritt und die von ihm gepriesene Minderheit der Mehrheit in Gesellschaft und Politik den richtigen Weg weist, indem sie ihn zuerst einmal selbst geht.

          Das klang bei der ARD-Hauptstadtkorrespondentin durchaus noch schärfer. Kristin Joachim nämlich weiß: „Der Mensch funktioniert eben nicht über Freiwilligkeit. Er will gezwungen werden. Oder sagen wir so: Er braucht in diesem Fall einen finanziellen Anreiz.“

          Diesen Ausdruck totalitären Denkens, dessen Rhetorik vom „Aufstand“ und Zwang von derjenigen vom rechten, antidemokratischen Rand nicht weit entfernt ist, muss man erst mal sacken lassen: „Der Mensch will gezwungen werden“, heißt es im Ersten Deutschen Fernsehen. Mit dem Ersten zwingt man besser, sagen wir da nur.

          Das Greta-Framing vom Weltwirtschaftsforum in Davos („Ich will, dass ihr in Panik geratet“) funktioniert jedenfalls. Jetzt müssen „wir“ nur noch zum Guten gezwungen werden. Wie heißt es im Framing-Manual der ARD? „Wir sind ihr.“

          Die „liebe Bundesregierung“ möchten wir nur bitten, im Klimastrudel nicht gleich Demokratie und Freiheitsrechte mit zu verklappen. Das Ticket für „unsere“ ARD-Kommentatorin bezahlen wir, im Falle einer Dienstreise, gerne. Vor allem die angeblich so teure Bahnfahrt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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