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Klimaforschung : Eine Wissenschaft in der Falle der eigenen Wichtigkeit

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Optimist in Bezug auf den Einsatz der Vernunft

Auf der Wissensbedarfsseite wird das Interesse an Szenarien für zukünftige Entwicklungen weiter zunehmen. Die Aufgabe der Szenarienerstellung wird aber von einer wissenschaftlichen Herausforderung zur rein technischen Aufgabe degenerieren. Der Hype um katastrophale Entwicklungen wird sich legen, allein schon wegen einer Ermüdung des Publikums und des Generationswechsels in der Wissenschaft. Insofern wird sich die naturwissenschaftliche Klimaforschung auf legitim neugiergetriebene Fragen, etwa zur Erdgeschichte, fokussieren, während eine de facto ingenieurwissenschaftliche Richtung sich auf klimatechnische Fragen kaprizieren wird: Ableitung von Szenarien, Klima-Monitoring, lokale und regionale Anpassung und Klimasteuerung. Dazu wird sich eine aktive, anwendungsorientierte sozial- und kulturwissenschaftliche Klimaforschung entwickeln.

Ich erwarte außerdem, dass die Gesellschaften dieser Welt zu einem vernünftigeren, auch praktisch realisierbaren Umgang mit dem Klimaproblem übergehen. Dass erreichbare Ziele formuliert werden und Antworten auf die Frage der zukünftigen Entwicklung diverse sich ändernde Faktoren neben dem Klima berücksichtigen. Dieses Szenario einer möglichen Zukunft weist mich als Optimisten in Bezug auf den Einsatz der Vernunft aus. Das ist in sich selbst nicht sonderlich vernünftig und konsistent, verweisen die Erfahrungen aus der Vergangenheit doch plausiblerweise auf eine Zukunft, die ebenso wenig vernünftig wie die Gegenwart und Vergangenheiten sein wird.

Wenig ist so gefährlich wie der Wille zur Weltverbesserung

Welche Alternativen sehe ich? Eine pessimistische Zukunftserwartung ist, dass das Klimathema nicht mehr wirklich ernst genommen wird, eventuell noch zur Motivation für eine allgegenwärtige Regulierung fast aller Lebensbereiche instrumentalisiert werden könnte. Die Klimaforschung würde die gegenwärtige Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit verlieren - trotz oder auch wegen eines langen Feuerwerks immer wieder neu entdeckter Gefahren und in Aussicht gestellter Weltuntergänge. Am Ende stünden ein Rückzug auf die von Wetterdiensten betriebenen Überwachungsaufgaben, spannende Nischenforschung im Elfenbeinturm und versprengte übrig gebliebene Alarmisten. Gleichzeitig würde der Platz der Angst vor der Klimakatastrophe durch die Angst vor etwas anderem übernommen werden, hoffentlich ohne wirklich drastische Folgen für den friedlichen Umgang der Menschen untereinander.

Ich möchte aber den Standpunkt des Optimisten einnehmen, gerade weil ich glaube, dass wenig so gefährlich ist wie der Wille zur Weltverbesserung. Was aber der Tatsache keinen Abbruch tut, dass die Zeit mit Klaus Hasselmann am MPI für Meteorologie eine wunderbare und aufregende Zeit war.

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