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Klimaforschung : Eine Wissenschaft in der Falle der eigenen Wichtigkeit

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Das Ergebnis unseres Wissensschaffens ist Wissen. Aber es gibt Alternativen zu unserem Wissen, Alternativen, die auch etwas in Bewegung setzen können, aber eben anders. Wir Wissenschaftler werden auch gesteuert von kulturellen Wissenssystemen, in denen es um gut und nicht gut geht, also um Wertfragen. Dagegen können wir nicht wirklich etwas tun, weil wir ja Teil unserer Kulturen sind, denen wir nicht entkommen können und auch nicht wollen. Aber wir können uns darüber klarwerden, wie dieser soziale Prozess des Wissensschaffens konditioniert wird durch kulturelles Wissen; wir können versuchen, dem Anspruch der Objektivität näherzukommen.

Wissenschaftliches Kapital

Wir sollten uns auch fragen: Welche Rolle wollen wir in der Gesellschaft spielen? Und andersherum: Was erwartet die Gesellschaft von uns? Sollen wir Ja-Sager für den Zeitgeist sein; sollen wir dafür sorgen, dass soziale Prozesse zügig in eine bestimmte Richtung laufen, oder sollen wir durch ungefiltertes Fragen zur Kakophonie der Unsicherheit beitragen und so eher Sand in das Getriebe werfen, um einen breiteren demokratischen Prozess zu ermöglichen? Ich denke: Letzteres.

Wie jeder soziale Prozess kann Wissenschaft nachhaltig oder nicht nachhaltig durchgeführt werden; man kann netto Kapital aufbauen oder verbrauchen. Das Kapital ist in diesem Falle: die Autorität der Wissenschaft, komplexe Vorgänge zu erklären mit einem Produktionssystem, das sich zumindest prinzipiell einer Ethik des arbeitsteiligen, uneigennützigen Skeptizismus im Sinne von Robert Merton unterwirft. Durch Opportunismus oder wahrgenommenen Opportunismus wird dieses Kapital verbraucht. Als wir in der Vergangenheit nicht gegen alarmistische Exzesse aufgetreten sind, haben wir Kapital verbraucht; als neulich der „Times“-Atlas fehlerhafte Angaben zur Verminderung des grönländischen Eisschildes machte, standen sofort kompetente Leute auf und widersprachen; da wurde Kapital erzeugt.

Neben der Klimaproblematik weitere Herausforderungen

Wie können wir uns die Zukunft der Klimaforschung vorstellen? Das hängt natürlich davon ab, wie sich der Klimawandel entfalten wird. Ich erwarte, dass es den Gesellschaften in wenigen Jahrzehnten gelingen wird, das Anwachsen der Emissionen von Treibhausgasen deutlich abzubremsen - aber es wird wohl kaum eine Stabilisierung geschweige denn eine Trendwende geben. Der Klimawandel wird sich daher gegenüber den pessimistischsten Perspektiven etwas verlangsamen, sich aber dennoch auf absehbare Zeit ziemlich stetig weiter entfalten. Im letzten Jahr sind die Emissionen wieder erheblich angewachsen, stärker als zuvor. Der menschgemachte Klimawandel wird sich wohl deutlich herausschälen, mit den Attributen einer generellen Erwärmung, einer polwärtigen Verschiebung der Klimazonen und eines verstärkten hydrologischen Zyklus. Ich erwarte keine dramatischen Überraschungen - abgesehen von Phasen, in denen die Erwärmung mal schneller, mal langsamer vonstattengeht.

Gleichzeitig wird deutlich werden, dass es neben der Klimaproblematik weitere Herausforderungen geben wird, die das globale Wohlergehen beeinflussen: vielleicht Nachwirkungen der Wirtschaftskrise, Gesundheitsgefahren, Bevölkerungszuwachs, soziale Ungleichheit, Armut, Hunger, Ressourcenübernutzung, radikal verschiedene Weltsichten oder ganz neue Probleme

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