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Kaffeehäuser in Not : Kleine Braune dringend gesucht

Wie viel Kaffee verträgt der Wiener in Corona-Zeiten? Bild: Picture-Alliance

Das kommt davon, wenn alle nur noch daheim hackeln: Seit die Wiener nicht mehr ins Kaffeehaus gehen, sind diese in ihrer Existenz bedroht. Ein Aktion soll Abhilfe schaffen.

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          Wie viele kleine Braune braucht es, um Wiens Kaffeehauskultur wieder zu beleben?“ Diese bange Frage stellte dieser Tage die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ und beantwortete sie auch gleich – durch die Bestellung eines zweiten kleinen Braunen. Die Branche ist in Kurzarbeit, sie ächzt unter dem fehlenden Zustrom der Kundschaft, auch wenn mittlerweile wieder fünfzig bis sechzig Prozent der Plätze angeboten werden dürfen.

          Als Erste hatten die Fiaker ihr drohendes Aussterben vorhergesagt, dann kam zuletzt die Nachricht, dass die Wiener Stadthotels nur zehn bis fünfzehn Prozent der sonst um diese Jahreszeit üblichen Auslastung melden. Und nun schlagen die Kaffeehäuser Alarm – mehr als fünfzigtausend Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel. Und was tut der Wiener, der nach gängiger Legende seinen Zweitwohnsitz im Stammcafé hat, dortselbst seinen Stammplatz, seine Stammbestellung („Einen Verlängerten, ein weiches Ei und ein Buttersemmerl, bitte!“) und sein Leib- und Magenblatt braucht wie Luft zum Atmen? Er sitzt nicht im Kaffeehaus, sondern z’Haus, im „Home, sweet Home“-Office, hackelt via Videokonferenz und lässt seinen Kaffeehausbetreiber vor die Hunde gehen.

          Diesen schleichenden Verfall soll nun eine Online-Aktion in den sozialen Netzwerken verhindern, die mit den Schauspielern Adele Neuhauser und Nicholas Ofczarek sowie dem Kabarettisten Josef Hader prominente Vertreter hat. Was wohl die eigentlichen Dirigenten dieser Kultur, die Ober, davon halten? Sie mögen Touristen ohnehin nicht. Und vermutlich mögen sie auch die Stammgäste nicht, und wenn, dann lassen sie es sich nicht anmerken. Sie sind Meister der ausdruckslosen Miene, des Durch-den-Gast-Hindurchschauens, der herablassenden Gleichgültigkeit.

          Gelächelt wird auf keinen Fall. Wenn die Selbstbeschreibung eines Kaffeehauses von „typisch wienerisch“ kündet, ist das womöglich eine Warnung? Denn wer als Tourist glaubt, in eines dieser ganz berühmtem Etablissements – wie etwa jenes nächst dem Burgtheater – eintreten zu müssen, der hat zwei Möglichkeiten: Er muss sich von einem schneidend arroganten Ober oder dessen Unter demütigen lassen, oder er ignoriert mit gleicher Überheblichkeit zurück. Gewinnen wird immer der Ober, darum heißt er so. Mitten im Wellental der Pandemie ist somit klar, dass es die Inländer sind, die ihre Kaffeehauskultur fürs Erste retten müssen. Indem sie nach dem Zweitkaffee einen Dritt- und Viertkaffee ordern. Sonst wird das nichts mit der ausreichen Zahl von kleinen Braunen. Und jetzt bitte keine Rassismusdebatte.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

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