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Musikplattformen : Ein Platz für Klassik im Netz

Bild: Illustration Kat Menschik

Idagio, so nennt sich die erste digitale Plattform zur Verbreitung klassischer Musik. Prominente Musiker und Dirigenten machen mit – und das Angebot ist gratis.

          Irgendwann in den Achtzigern war es, Karajan lebte noch und die Kugelkopfmaschine war schon wieder ausgemustert worden, da wechselte der alte Kassandraruf von der Krise der Klassik plötzlich die Funktion. Aus einem vernebelten Menetekel wurde ein knallhartes Marketingargument.

          Eleonore Büning

          Redakteurin im Feuilleton.

          Seither hat es buchstäblich keine einzige Neugründung gegeben, aber auch keinen Relaunch alteingesessener Klassik-Firmen, seien es Festivals, Magazine, Labels, Produzenten, Intendanten oder sonstige Musikmakler, die nicht mit Rettungsversprechen hausieren gingen: Man müsse hinkünftig gezielt junge Leute mit Bach oder Mozart anfüttern, man wolle trickreich die erklärten Nicht-Klassik-Hörer einfangen, man werde dergestalt das Publikum verjüngen helfen und die klassische Musik vor ihrem Untergang, der so gut wie sicher sei, bewahren.

          Zwei der Gründer von Idagio: Christoph Lange und Till Janczukowicz

          Im Netz geht es da vorerst kein bisschen anders zu als in der haptischen Welt. Das jüngste Online-Magazin im deutschsprachigen Bereich, „VAN“, 2014 gegründet von dem Berliner Musikliebhaber, Cellisten und Ethnologen Hartmut Welscher, richtet sich, zum Beispiel, ausdrücklich an die Jugend, die eher popkulturell sozialisiert ist, es will „neue Perspektiven“ eröffnen auf klassische Musik „und auf die Subkultur um sie herum“.

          Dazu verhilft ein lockeres Design, ein salopper, auch mal frecher Ton und viel Subjektivität: Es gilt, frischen Wind in alte Tüten zu blasen. Inhaltlich aber sind die Themen und ihre journalistische Aufbereitung, Ausgabe für Ausgabe, Tüte für Tüte, immer noch äußerst ähnlich denen der vor sich hin kriselnden Print-Konkurrenz. Musik bleibt Musik, lieben Sie Brahms oder lieben Sie ihn nicht, so leicht lässt sich nun mal kein Rad neu erfinden, auch nicht in der schönen neuen digitalen Welt.

          Oder doch?

          Am 5. August, in der Salzburg-Kulisse, stellten fünf Leute die erste Plattform für den digitalen Fair-Trade-Handel mit klassischer Musik vor. Vier Musiker, ein Musikmanager. Die Worte „Pop“ oder „Subkultur“ oder „Krise“ kommen in ihrem Vokabular nicht vor. Zitiert wird zunächst mal der klassische Supersommerstar Richard Wagner, der zwar anno 1850 auch schon mit dem Krisengerede vom Publikumsschwund konfrontiert war, aber weder Mikro noch iPhone kannte und erst recht keine zwei Millionen Follower in den Social Networks vorweisen konnte wie der sechsundzwanzigjährige taiwanesische Geiger Ray Chen.


          Wagner schlug vor: „Ich würde überall hin Einladungen ausschreiben und – natürlich gratis – drei Vorstellungen in einer Woche hintereinander geben.“ Übersetzt ins Jahr 2015: „Wir wollen für die klassische Musik endlich einen relevanten und adäquaten Platz schaffen im Netz.“

          Als Streaming und als Download. Grundsätzlich ist das Angebot gratis. Nach der Testphase soll es ab 2016 auch ein Premiumsegment geben mit allerhand Extras wie HD-Sound oder Offline-Modus, für 5 Euro monatlich. Jedoch: „Der Unterschied zwischen Gratis und Premium soll sich über den Nutzungskomfort definieren – nicht über die Restriktion von Inhalten. Wir wollen, dass Klassik gehört wird, von allen.“

          Und zwar in bestmöglicher Klangqualität: Gestreamt wird zunächst in aac-Audiodateien mit einer Bitrate von 130 kbps, an der Weiterentwicklung wird gearbeitet. Schluss mit den Menetekeln! Die Zukunft ist glänzend, klassische Musik das nächste ganz große Ding!

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