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Kinovorschau : Der Cyber-Schliemann

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Was für ein Kerl - wäre da nur nicht die Ferse: Brad Pitt als Achilles in „Troja” Bild: dpa

Wolfgang Petersen erzählt uns im Kino die „Ilias“ aus der Perspektive Hollywoods. Ein paar Nummern kleiner sind die einheimischen Filme, die an diesem Donnerstag im Kino starten. Der Überblick von FAZ.NET.

          Wolfgang Petersen erzählt uns im Kino die „Ilias“ aus der Perspektive Hollywoods. Ein paar Nummern kleiner sind die einheimischen Filme, die an diesem Donnerstag im Kino starten. Der Überblick von FAZ.NET.

          Troja

          Historienepos, Amerika 2004. Vermutlich ist Wolfgang Petersen der einzige in Hollywood, der die „Ilias“ in der Schule auf altgriechisch gelesen hat. Nun ist der Regisseur von „Das Boot“ oder „Der perfekte Sturm“ auch noch zu einer Art Cyber-Schliemann geworden. Wo der deutsche Amateurarchäologe graben ließ, um den historischen Kern der „Ilias“ freizulegen, läßt Petersen aufbauen, um im Geiste der alten Sandalenfilme eine der größten Geschichten aller Zeiten zu erzählen. „Troja" ist monumental, blutig und bietet alles, was man von einem Blockbuster erwartet. Aber auch kein bißchen mehr. Er hat keine Fallhöhe, er hat noch nicht einmal einen Schauspieler wie Russell Crowe, der in „Gladiator“ persönliche Rache und den Kampf um Rom zusammenführte. Mit Brad Pitt, Orlando Bloom und der Deutschen Diane Kruger als Helena.

          WG-Gemetzel: Eiko Koike und Maho Nonami in „2LDK”

          2LDK - 2 Zimmer, Küche, Bad

          Fantasy, Japan 2002. Vor drei Jahren beschlossen die beiden Regisseure Ryuhei Kitamura und Yukihiko Tsutsumi, sich cineastisch zu duellieren: Jeder von ihnen sollte innerhalb von sieben Tagen einen Film drehen, in dem es um - ein Duell gehen sollte. Nachdem kürzlich schon Kitamuras „Aragami“ im Kino einen Samurai gegen einen Kriegsgott antreten ließ, zieht nun Tstutsumi nach. Bei ihm sind es zwei Schauspielschülerinnen, die sich in ihrer WG mit Samuraischwertern und Kettensägen bekämpfen. Mit Maho Nonami und Eiko Koike.

          Befreite Zone

          Satire, Deutschland 2003. Sässlen in der brandenburgischen Provinz erhofft sich einen Aufschwung durch den schwarzen Stürmer seines Fußballvereins. Regie Norbert Baumgarten, mit Johanna Klante, Florian Lukas und Annett Renneberg.

          Carolina

          Drama, Amerika 2003. Die bei ihrer Großmutter aufgewachsene Carolina (Julia Stiles) sucht ihren chaotischen Familienverhältnissen durch die Bindung mit einem wohlhabenden jungen Mann zu entfliehen. Regie Marleen Gorris, mit Shirley MacLaine, Alessandro Nivola und Randy Quaid.

          Musik für Hochzeiten und Begräbnisse

          Drama, Norwegen 2002. Der Ehemann der ebenso schönen wie versehrten Mittvierzigerin Sara schießt sich genau dort eine Kugel durch den Kopf, wo ihr gemeinsames Kind von der Treppe gefallen und gestorben ist. Der ungemein ruhige Film versammelt so ziemlich alle Klischees des Seelenwehs seit Ibsen und Ingmar Bergman. Doch als man der ästhetischen Strenge, der Todesdialektik von Begierde und Einsamkeit, der endlosen Blicke auf triste Küstenlandschaften und der ewig scheiternden Biographien fast schon überdrüssig ist, da überdreht die Regisseurin Unni Straume bewußt, quartiert eine serbische Blaskapelle im norwegischen Minimalistenhaus ein, läßt ihr leidendes Personal in die Lächerlichkeit stolpern und öffnet der Protagonistin eine Tür. Mit Lena Endre, Bjørn Floberg und Rebecka Hemse.

          Der Tag, an dem ich zur Frau wurde

          Drama, Iran 2000. Drei Episoden setzen sich mit der Situation der Frauen im Iran auseinander: Ein Mädchen erfährt, daß es nun zu alt ist, um mit dem befreundeten Jungen zu spielen, eine Frau sucht ihr Recht durchzusetzen, Fahrrad zu fahren, eine alte Frau erbt und geht auf Einkaufstour. Von Marzijeh Meshkini, mit Fatemeh Cherag Akhar, Hassan Nebhan und Shahr Banou Sisizadeh.

          Das Verlangen

          Drama, Deutschland 2002. Der Film, mit dem Iain Dilthey sein Studium an der Ludwigsburger Filmakademie abgeschlossen hat, gewann im Jahr 2002 beim Festival in Locarno überraschend den Hauptpreis. Die Geschichte dreht sich um maulfaule Provinzler, hinter deren bigotter Fassade sich das Schlimmste anstaut. Eine vernachlässigte Pfarrersfrau verliebt sich in einen Nachbarn, der sich jedoch als Frauenmörder erweist, und tötet, um ihn zu schützen, einen Polizisten. „Das Verlangen“ schwelgt zu sehr im Trostlosen, doch auch wer die tickenden Uhren, kargen Mahlzeiten und erstarrten Mienen des Films übertrieben findet, muß seine Formstrenge und Intensität bewundern. Mit Susanne-Marie Wrage, Klaus Grünberg und Robert Lohr.

          Frau fährt, Mann schläft

          Drama, Deutschland 2003. Durch die unerwartete Krankheit des ältesten Sohnes gerät die Ordnung einer Familie durcheinander. Drama von Rudolf Thome mit Hannelore Elsner, Karl Kranzkowski, Hanns Zischler.

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