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Filmfestival von Cannes : Zu alt, um jung zu sterben

Hinter Palmen: Das Festivalposter am Palast der Filmfestspiele Bild: Reuters

Das Filmfestival von Cannes gilt seit mehr als siebzig Jahren als die Speerspitze des Kinos. Ist es dabei, im Zeitalter von Serien und Streamingdiensten zur Nachhut des Kinos zu werden?

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          Die Ansagen sind eindeutig. Beim Internationalen Filmfestival in Cannes, das an diesem Dienstagabend beginnt, werden im offiziellen Programm wieder keine Filme gezeigt werden, die nach ihrer Festivalpremiere ohne vorherige Kinoauswertung in Frankreich anderweitig zum Publikum gelangen – im Fernsehen, auf DVD, als Stream. Wobei Kinoauswertung in Frankreich bedeutet: drei Jahre exklusiv. Mit dem erneuten Bann von Netflix, darum geht es, haben sich die französischen Kinobetreiber und ihre Lobbyisten in den Entscheidungsgremien des Festivals auch in diesem Jahr durchgesetzt. Ist das gut? Oder nicht so gut? Und was heißt es für das Festival, zu dem als zweites Standbein einer der wichtigsten internationalen Filmmärkte gehört, auf dem selbstverständlich auch die Streamingfirmen einkaufen gehen?

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Angesichts der schwindenden Zuschauerzahlen selbst in den französischen Kinos und angesichts der wachsenden Bedeutung alternativer Verwertungsformen für Kinofilme ist es eine künstliche Situation, die von der Festivalleitung geschaffen wurde. Aber künstliche Situationen sind Festivals sowieso – eine für mehrere Programmschienen mehr oder weniger stimmig kuratierte Ansammlung von Werken, die aus auf den ersten Blick nicht immer einleuchtenden Gründen innerhalb von zwölf Tagen gegeneinander antreten, um einen Preis zu gewinnen: den Preis ihrer Sektion, den Preis für das beste Debüt oder einen der Hauptpreise im offiziellen Wettbewerb, die Goldene Palme gar. Noch immer gilt es, wie im Sport bei Olympia, in der Welt des Films als Auszeichnung, an der Croisette dabei zu sein, noch immer sind es die Deutschen fast immer nicht. Alles also wie immer?

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