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Zum Tode Michel Serraults : Franzose durch und durch

Michel Serrault in Chabrols „Das Leben ist ein Spiel” Bild: dpa

In Frankreich war er jahrzehntelang ein Star, im Ausland kannte man ihn hauptsächlich als Paradiesvogel aus „Ein Käfig voller Narren“. Seine größten Auftritte hatte Michel Serrault aber in den Filmen Claude Chabrols. Am Sonntag ist der Schauspieler gestorben.

          Ganz gerecht ist es nicht, dass Michel Serrault ausgerechnet für seine Rolle in dem Film „Ein Käfig voller Narren“ auch außerhalb Frankreichs ein wiedererkennbares Gesicht wurde, logisch aber ist es schon. Erstens hatte er die Rolle des Travestie-Stars Alin alias Zaza Napoli an der Seite von Jean Poiret schon neunhundertmal auf der Bühne gespielt, ehe aus dem Schwulen-Brüller 1978 unter der Regie von Edouard Molinaro auch ein Film (mit zwei Fortsetzungen) wurde, und zweitens wollte er in jungen Jahren eigentlich Clown werden - andere Quellen sagen: Priester, aber davon ist seinen Filmrollen und vor allem dieser nicht viel anzumerken. Grell geschminkt, absurd behutet, grotesk in Frauenkleider gezwängt, feierte Serrault mit diesem Film, den damals viele Kritiker für gewagt hielten, seinen größten internationalen Erfolg. Und gewann mit ihm seinen ersten César als bester Hauptdarsteller.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Dabei sind seine subtileren Rollen in Filmen von Claude Miller (“Das Verhör“, 1981, sein zweiter César,) und vor allem von Claude Chabrol in den „Phantomen des Hutmacheres“ (1982, an der Seite von Charles Aznavour) als scheinbar makellosem Bürger, der zum Serienmörder älterer Frauen wird, deutlich beeindruckender. Serrault schmiegt sich hier ein in die kleinbürgerliche Welt des Ortes, in dem der Hutmacher lebt, ist gleichzeitig als kaltblütiger Würger glaubwürdig und verkörpert auch den schwarzen Witz, der bei Chabrol natürlich über dem grausigen Geschehen liegt.

          Kalifornien reizte ihn nicht die Bohne

          Da Serrault in der Auswahl seiner Rollen nicht allzu wählerisch war, wird in vielen der fast hundertfünfzig Filme, die er bis vor wenigen Jahren - im Genre wechselnd von der Schmierenkomödie über die Schnulze zum Klassiker - gedreht hat, oft nur jeweils die eine oder die andere Eigenschaft von ihm verlangt.

          Weil er ausschließlich in französischen Filmen und während seiner gesamten Laufbahn auch im französischen Theater und Fernsehen spielte, wurde er international nicht der bedeutende Star, der er zu Hause jahrzehntelang war. Für das amerikanische Publikum wurden aus seinen besten Filmen Remakes mit Hollywood-Darstellern (im „Verhör“, das dann „Under Suspicion“ hieß, spielte Morgan Freeman seinen Part). Ihn wird es nicht bekümmert haben. Er war Franzose durch und durch, und Kalifornien und das Leben, das man dort führt, reizte ihn nicht die Bohne.

          Geboren wurde Michael Serrault am 24. Januar 1928 in Brunoy bei Paris. Am 29. Juli ist er in Honfleur in der Normandie gestorben.

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