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Zum Tod von Mike Nichols : Der Mann, der die „Reifeprüfung“ ablegte

Mike Nichols (1931 bis 2014) Bild: Max Lautenschlaeger / VISUM

Mit „Die Reifeprüfung“ machte sich Mike Nichols unvergesslich. Aber es war nur einer von vielen herausragenden Filme. Jetzt ist der amerikanische Regisseur im Alter von 83 Jahren gestorben.

          Manchmal sind es die Nachfolger, an denen sich die Bedeutung eines Mannes ablesen lässt. Mike Nichols’ Nachfolger sind als Erstes die Brüder Joel und Ethan Coen. Aber auch Wes Anderson, Spike Jonze, Steven Soderbergh, Männer, für die Ironie nicht bedeutet, den Ernst der Lage zu unterschätzen.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Das vor allem war die Haltung von Mike Nichols, der am Broadway und in Hollywood über einen längeren Zeitraum größere Erfolge feierte als die meisten seiner Zeitgenossen; dessen Filme, von „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ und der „Reifeprüfung“ über „Silkwood“ bis zu „Primary Colors“ und „Der Krieg des Charlie Wilson“, sich besser gehalten haben, als vorherzusehen war; dessen Darstellerwahl die Karrieren einiger Weltstars beförderte, allen voran Dustin Hoffman und Meryl Streep; und dessen Witz bis zuletzt legendär war – weil er erkannte, wie wenig all das, was Amerika seiner Mittelklasse zu bieten hat, zur Entwicklung einer rundum gereiften Persönlichkeit beiträgt. In dieser Erkenntnis, bestätigt auf allen Schlachtfeldern des modernen Lebens, sei es zwischen den Geschlechtern, zwischen konkurrierenden Geheimdiensten, politischen Kandidaten oder gesellschaftlichen Aufsteigern, liegt der Kern seiner Satiren.

          Spott über verschwendete Energien

          Mike Nichols war der Prototyp eines Supertalents im Showgeschäft seiner Zeit, die mit den späten Fünfzigern anbrach. Er hatte in Chicago auf dem College die begnadete Elaine May kennengelernt, aus der später eine der schlagfertigsten, brillantesten, witzigsten Komödiantinnen Amerikas auf dem Theater, im Film, im Fernsehen wurde. Mit ihr stellte er die Stand-up-Comedy in sich gegenseitig befeuernden Improvisationen über den alltäglichen Wahnsinn auf den Kopf und brachte ihre Generationsgenossen dazu, sich kaputtzulachen, über sich selbst und darüber, woran der Rest des Landes seine Energien verschwendete, den ewigen Aufstieg vor allem, das immer bessere Leben, das auch nicht mehr Sinn parat hält als das weniger gute. Drei gemeinsame Alben veröffentlichten die beiden, gewannen mit „An Evening with Mike Nichols and Elaine May“ einen Grammy und trennten sich zwei Jahre später. Das war 1962.

          Nichols war also schon ein gefeierter Mann, als seine erste Theaterinszenierung am Broadway einschlug: „Barfuß im Park“ von Neil Simon, mit Candice Bergen und Robert Redford. Bevor er überhaupt seinen ersten Film gedreht hatte, standen ihm die Türen überall sperrangelweit offen. Es war kein großer Kampf, „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ zu drehen, außer mit den Hauptdarstellern, Elizabeth Taylor und Richard Burton, deren Ehekrieg in diesem Film alles in den Schatten stellte, was auf diesem Feld bisher zu sehen gewesen war. Erschöpft hat ihn das nicht. Bereits im nächsten Jahr, 1967, drehte Nichols den Film, der heute noch vor allem mit seinem Namen verbunden ist und mit dem er einen Oscar gewann: „Die Reifeprüfung“.

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